Teil 7: Das erste Mal den Sattel auflegen

Das erste Mal den Sattel auflegen, sollte gut vorbereitet werden. Zuerst möchte ich mein Jungpferd an Dinge auf seinem Rücken gewöhnen; Schabracken, Longiergurte, Decken, you name it 🙂 Wie ich das übe? Lies einfach rein.
Zunächst möchte ich dir erklären, warum das Auflegen von Schabracken, Decken und Sätteln so gruselig für ein (junges) Pferd sein könnte. Pferde haben als Fluchttier nämlich ein ganz anderes Sichtfeld als wir Menschen.

Das Sichtfeld der Pferdes

Sichtfeld Pferd
Sichtfeld Pferd

Pferde haben einen sehr großen Radius, in dem sie sehen können, da ihre Augen seitlich am Kopf liegen. Daher liegt der Gedanke nahe, dass etwas Großes, Flächiges, wie eine Schabracke im Augenwinkel schnell gruselig werden kann. Deshalb muss das Auflegen von solchen Dingen auf den Pferderücken erst geübt werden, bevor zum Beispiel einfach ein Sattel aufgelegt werden könnte. Ich übe das Ganze sowohl von links als auch von rechts, da die Pferde seitlich Gegenstände nur mit einem Auge wahrnehmen können. Manche Pferde scheuen, wenn sie einen Gegenstand auf der einen Seite sehen und auf der anderen nicht. Das liegt daran, dass sie nicht erkennen können, was es ist.

Der Anfang: übe mit einer Schabracke!

Am besten gehst du für die ersten Versuche mit deinem Pferd in einen eingezäunten Bereich; Reitplatz oder Halle. Nimm noch jemanden mit, der das Pferd hält und schnapp‘ dir eine Schabracke. Leg sie in eine Ecke oder in die Mitte der Halle und lass sie von deinem Pferd begutachten. Geht danach ein paar Runden, ohne der Schabracke groß Beachtung zu schenken. Ist das Pferd entspannt, kannst du die Schabracke wieder in die Hand nehmen.

Wichtig ist, dass sie die Schabracke immer erst anschauen oder auch mal reinbeißen dürfen! Gerade junge Pferde kommen oft in eine „orale Phase“ in der sie alles mit dem Maul untersuchen müssen. Das ist bei kleinen Kindern auch so. Es spricht auch absolut nichts dagegen, einem Fohlen mal kurz eine Schabracke auf den Rücken zu legen. Die wiegen ja nichts und es ist ja auch nur kurz (fürs Bild 😉 ).

Ich habe es so gemacht, dass ich Saffa mit der Schabracke erst überall berührt habe. Dann habe ich sie ihm auf den Rücken gelegt. Blieb er entspannt, nahm ich die Schabracke sofort wieder langsam(!) runter und lobte ganz viel.
War er weiterhin entspannt, gingen wir ein paar Schritte mit Schabracke auf seinem Rücken. Klar, dass die Schabracke dabei runterfallen kann. Wenn sich das Pferd dann erschrickt, ist das gar nicht schlimm. Lege die Schabracke in Ruhe noch einmal auf. Achte aber bitte auf deine Sicherheit!

Gewöhnung an die Decke

Saffa mit Regendecke. Ist etwas zu groß, er wächst ja aber noch.
Saffa mit Regendecke. Ist noch zu groß – er wächst ja aber noch und die Decke wird momentan nicht gebraucht.

So ging ich mit dem ersten Auflegen einer Decke auch vor. Wir brauchten zu der Zeit zwar keine. Aber ich finde, falls dann doch mal eine gebraucht wird, ist das schon vorbereitet und das Pferd hat nicht noch zusätzlichen Stress.
Auch im Sommer mit den ganzen Fliegen ist es praktisch, dass das Pferd die Decke schon kennt. So konnte ich ihm die nervigen Fliegen mit Hilfe einer Fliegendecke fernhalten, zumal er das Sprühen nicht akzeptierte. Wichtig fand ich auch, dass Saffa unterschiedliche Decken kennenlernt. Während eine Fliegendecke ziemlich geräuscharm ist, raschelt die Regendecke durch den wasserdichten Stoff umso mehr.

Gewöhnung an den (Sattel-) Gurt

Sobald Schabracke und Decke kein Problem mehr waren, habe ich den Longiergurt dazu genommen. Das muss nicht alles am gleichen Tag sein! Die Schnallen am Gurt klimpern. Das Geräusch kannte er zwar noch nicht. Es störte ihn aber auch nicht. Hier auch wieder gleiches Prinzip: erstmal überall damit berühren und dann erst auflegen.

Longieren mit Schabracke und Longiergurt
Longieren mit Schabracke und Longiergurt

Beim ersten Angurten, ist Vorsicht geboten, da es sonst sein kann, dass das Pferd einen Gurtzwang entwickelt. Das heißt, es lässt sich sehr ungern angurten, schlägt mit dem Schweif oder kann versuchen, dich zu beißen oder sogar zu treten.

Du fängst mit dem Gurten an, indem du erstmal den Bereich, wo der Gurt nachher liegen soll, mit der Hand streichelst, bis es dein Pferd toleriert und die Hand dort auch mal liegen lässt. Ist das kein Problem mehr, kannst du versuchen, den Gurt unter dem Pferd auf die andere Seite zu holen. Ist dein Pferd sehr empfindlich, kannst du einen Stock mit einem Haken dran zur Hilfe nehmen, sodass du dich nicht in Gefahr bringst.

Saffa, die coole Socke, hat das herzlich wenig interessiert und ich konnte den Gurt auf meine Seite holen. Ich schloss den Gurt nicht gleich, sondern legte ihn mit der Hand nur an den Bauch. Danach hielt ich ihn wieder weg. Das wiederholten wir ganz oft, um sicher zu gehen, dass er das Gefühl kennenlernt. Erst danach haben wir ganz locker zugemacht, nur so, dass nichts rutscht. So lief ich mit Saffa die ersten Runden. Das war auch kein Problem. Mit jeder Runde zog ich den Gurt dann ein bisschen fester. Beim Öffnen des Gurtes machte ich ihn auch nicht gleich komplett auf, sondern hörte bei der Hälfte ungefähr auf, bin nochmal zwei Runden gelaufen und öffnete ihn dann erst komplett. Danach nahm ich ihn vom Pferd. Das wiederholte ich in den nächsten Tagen öfter und band ihn schon auch mal so am Putzplatz an. Das funktionierte Dank der Vorbereitung sehr gut.

Den ersten Sattel auflegen – so geht’s

Saffas erster "Sattel", ganz locker gegurtet.
Gutes Training fürs Sattel auflegen: der Fellsattel. Hier Saffas erster „Sattel“, ganz locker gegurtet.

Unser nächster Schritt war der Fellsattel. Dieser Sattel hat keinen Baum und auch kein schweres Leder, ist aber von der Form her einem richtigen Sattel sehr nah. Falls Saffa sich damit hinlegen wollen würde (was er natürlich nicht soll), geht der Fellsattel nicht kaputt. Man kann auch Steigbügel daran befestigen, die aber nur zur Dekoration und zur Gewöhnung genutzt werden sollten. Gerade weil der Fellsattel keinen Baum hat, kann er das Gewicht der Steigbügel nicht gut verteilen und der Sattel drückt auf die Wirbelsäule.

Ich hatte die Steigbügel dran, damit er sich an das Baumeln der Steigbügel gewöhnen kann. Da liegt später beim Reiten ja auch mein Bein. Mit dem Fellsattel habe ich ihn dann longiert. Das fand er dann doch etwas komisch und hat einmal versucht, den Sattel herunter zu bocken. Das ist auch völlig in Ordnung. Ich hätte eher mit einem spektakulären Rodeo gerechnet! Da zahlt sich meine gute Vorbereitung aus. Ich hatte schon Videos gesehen, in denen sich das Pferd die Seele aus dem Leib bockt oder sich auf den Sattel draufwirft, um ihn loszuwerden…

Wenn du dein Pferd mit baumelnden Steigbügeln führst oder longierst, achte bitte darauf, dass du die Riemen schnell öffnen kannst und bleibe immer bei deinem Pferd! Es kam  auch schon vor, dass sich ein Pferd mit dem Hinterhuf am Kopf kratzen wollte und dann damit im Steigbügel hängen geblieben ist. Im Zweifel die Steigbügel also lieber wieder nach oben schieben und dort befestigen.

Mit Geduld, Ruhe und dieser Vorbereitung kannst du deinem Pferd später alles auf den Rücken oder auch an den Kopf legen. Im nächsten Beitrag erzähle ich von unserer ersten Trense und wie du das Jungpferd möglichst angenehm daran gewöhnst.



Vorherige Beiträge aus dieser Reihe

Teil 1: Saffas Weg vom Jungpferd zum Reitpferd
Teil 2: Kastration: Soll ich meinen Hengst legen lassen?
Teil 3: Worauf muss ich beim Jungpferd besonders achten?
Teil 4: Die Pferdeerziehung oder das Pferde ABC
Teil 5: Putzen und anbinden – so lernen es junge Pferde richtig
Teil 6: Das Jungpferd vom Boden ausbilden

Sonja
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Über Sonja

Pferdeverrückt war ich schon immer. Alles fing mit meiner zuerst überschaubaren Schleich-Pferde Sammlung an, die bald ein unüberschaubares Ausmaß annahm. Mit 8 Jahren durfte ich dann bei der örtlichen Jugendfarm mit dem Reiten anfangen. Die Zeit dort war und ist auch heute noch unvergesslich. Als ich dann aus den Ponys dort "rausgewachsen" bin, hatte ich meine erste Reitbeteiligung, auf die dann viele weitere folgten. Nach meinem Studium, Medieninformatik, fing ich an, als Appentwicklerin bei Loesdau zu arbeiten und konnte mir so endlich das erste eigene Pferd leisten. Den Lipizzaner Wallach Saffa. Zu dem Zeitpunkt war er knappe 3 Jahre alt. Jetzt sind wir mitten in der Ausbildung und ich bin gespannt, wohin die Reise uns führen wird. Wenn du mehr über unseren Ausbildungsweg erfahren willst, halte doch mal Ausschau nach der Beitragsreihe "Saffas Weg" :)

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