Rationsberechnung bei der Pferdefütterung

Bei der Pferdefütterung können viele Fehler passieren. Bettina, selbst Pferdewirtschaftsmeisterin und erfahrene Berufsreiterin aus Loesdaus Kundenservice, gibt euch die wichtigsten Regeln für eine ausgewogene Ernährung eurer Lieblinge an die Hand. Bitte beachtet unbedingt, dass diese Kalkulation Angaben ergibt, die nur zur Orientierung dienen sollen. Was jedes einzelne Pferd fressen sollte, was ihm fehlt oder wie es ihm besser geht – das müsst ihr genau beobachten. Bestenfalls lasst ihr euch tierärztlich beraten. Bettina erklärt euch, wie ihr wichtige Anhaltspunkte der Pferdefütterung bekommt.

„Wie gerne möchten wir unseren Pferden etwas Gutes tun. Sei es mit liebevoller Pflege oder umfangreicher Bewegung im Grünen. Oft verwöhnen wir unseren Liebling auch mit kleinen Leckereien. Bei der Pferdefütterung sollte als erstes die Grundration und deren Qualität überprüft werden. Qualitativ hochwertiges Heu und Stroh, einwandfreier Hafer, vitaminisierte Mineralpellets oder auch Mischfuttermittel der verschiedensten Hersteller sorgen für eine ausreichende Deckung aller Spurenelemente, Mengenelemente und Vitamine in der Pferdefütterung. Falls bei euch Fragen zu bestimmten Futtermitteln auftauchen, könnt ihr euch in unseren Pferdesporthäusern zum Thema Rationsberechnungen und Fütterung auch beraten lassen.

Bevor ein Pferd zugefüttert wird, sollte die Grundration optimiert werden.
Bevor ein Pferd zugefüttert wird, sollte die Grundration optimiert werden.

Futtermittel in der Pferdefütterung

Für eine Rationsberechnung bedarf es zunächst einem gewissen Grundwissen über die Futtermittel.

Hier ein kleiner Exkurs:

Raufutter/Grobfutter: Heu, Stroh, Heulage (Qualität beachten)

Kraftfutter: Einzelfutter wie Hafer, Gerste, Mais, Weizenkleie, Pflanzenöle

Mischfutter: wie Ergänzungsfutter, Mineralfutter, Diätfuttermittel

Saftfutter: Möhren, Rüben, Äpfel, Gras

 

Erhaltungsbedarf und Leistungsbedarf

Damit ihr euch einen Überblick über den Fütterungszustand verschaffen könnt, müsst ihr euch zunächst der Frage nach dem Erhaltungsbedarf und dann die nach dem Leistungsbedarf stellen. Der Erhaltungsbedarf gibt die Menge an Futter an, die euer Pferd benötigt, wenn es nichts arbeiten muss. Er richtet sich nach Körpergewicht, Temperament, Haltungsbedingungen, Rasse und Alter. Kommt zu der alltäglichen Haltung noch Leistung in Form von Muskelarbeit (Dressurarbeit etc.), Deckeinsatz, Laktation oder Wachstum (Jungpferde) hinzu, muss die Ration entsprechend aufgestockt werden. Bedarfszahlen zur Pferdefütterung, nach denen ihr euch richten könnt, findet ihr z.B. in den FN Richtlinien Band 4 für Reiten und Fahren – Haltung, Fütterung, Gesundheit und Zucht auf S.161.

verschiedene Pferde beim Grasen
Jedes Pferd hat abhängig von Gewicht, Temperament, Rasse, Alter und Haltungsbedingungen einen anderen Erhaltungsbedarf. (Foto: Thea Sütterlin)

Erhaltungsbedarf + Leistungsbedarf (nach Richtlinien f. Reiten und Fahren Band 4)

leichte Arbeit < 25% zusätzlich zum Erhaltungsbedarf 1 Stunde Reiten – leichte Arbeit im Schritt und im Trab, wenig Galopp; gemütliche Ausritte mit etwas Galopp
mittlere Arbeit ca. 25% – 50% zusätzlich zum Erhaltungsbedarf 1 bis 2 Stunden Reiten – intensivere Arbeit mit Galopp und Turnierteilnahme; Geländeausritte mit viel Galopp
schwere Arbeit > 50% zusätzlich zum Erhaltungsbedarf über 2 Stunden Reiten – Pferde, die für den Hochleistungssport trainiert werden wie Rennpferde, Distanzpferde, Spring- und Dressurpferde in den schweren Klassen sowie Zugpferde, die schwere Lasten auf längere Zeit ziehen müssen.
Person beim Heu aufschütteln für die Pferdefütterung
Die Futtermenge muss an die Arbeit angepasst werden.

Wichtige Bezugszahlen setzen sich zusammen aus verdaulicher Energie (Kohlenhydrate, Fette), verdaulichen Rohprotein (Eiweiß), Calcium und Phosphor. Bei einer Futterberechnung sollte vor allem auf diese Werte geachtet werden.

Eiweiß: Aufbau körpereigener Eiweißstrukturen
Kohlenhydrate/Fette: Muskeltätigkeit, Funktion der Organe, Innentemperatur
Calcium & Phosphor: Skelett & Stoffwechselkreislauf
Natrium & Chlor: Gleichgewicht Säuren/Basen, Funktion der Muskeln & Nerven

Die Faustzahlen bei der Futterberechnung ins richtige Gleichgewicht zueinander zu bringen, ist ein Balanceakt. Vor allem, weil die Futterwerte meistens schwankend sind. Kleine Abweichungen sind jedoch nicht ausschlaggebend. Die Futterberechnung soll als eine grobe Richtlinie dienen. Es ist viel wichtiger, dass die Verhältnisse der Inhaltsstoffe zueinander korrekt sind.

DP:DE

(DP = Eiweiß; DE = Energie)

5:1
Ca:P (Ca = Calcium; P = Phosphor) 2 :1

Weitere Faustzahlen für die richtige Rationsberechnung

  • je Mahlzeit: max. 0,4 – 0,5 kg Kraftfutter / 100 kg Lebendgewicht
  • über den Tag verteilt 1 kg – 1,5 kg / 100 kg Lebendgewicht Raufuttermittel (Heu)
  • 0,8 – 1 kg Stroh pro Tag

Wasserbedarf eines Pferdes am Tag

Pferde brauchen viel Wasser pro Tag. Ein ausgewachsenes Warmblut trinkt je nach Wetterlage, Trainingszustand und Fütterung mit Raufutter zwischen 40 und 70 Liter Trinkwasser am Tag. Die FN gibt auch zu bedenken, dass der Wasserbedarf nach der Gabe von Raufutter, nach starkem Schwitzen und wenn es sehr heiß ist steigt. Tränkanlagen und Tränkeimer müssen regelmäßig kontrolliert und gereinigt werden.

Um die korrekte Menge errechnen zu können, könnt ihr euch an der Tabelle der Energie- und Nährstoffgehalte von Futtermitteln orientieren. (FN Richtlinien f. Reiten und Fahren Band 4)

Pferd beim Grasen
Gras enthält einen hohen Anteil an Wasser. (Foto: Thea Sütterlin)

Und noch ein heißer Tipp für den besseren Durchblick: Futtermittel wie z.B. Hafer, Heu und Stroh könnt ihr bei der Lufa (landwirtschaftliche Untersuchung – & Forschungsanstalt) einsenden, um die Nährstoffgehalte bestimmen zu lassen. Die Energie- und Nährstoffgehalte sind aber auch immer an den Futtersäcken der Hersteller angegeben. Bei der Zusammenstellung der Futtermittel ist es wichtig, dass das Pferd qualitativ gutes, strukturiertes Raufutter, wie Heu, angeboten bekommt. Das Raufutter fördert durch die wertvollen Nährstoffsubstrate die Darmgesundheit. Daher wird in der modernen Pferdefütterung die Ration vom Heu mit der Menge ad libitum (nach Belieben) angegeben. Das bedeutet: Das Pferd bekommt zwar ständig Heu bereitgestellt. Die Aufnahme muss allerdings über Heunetze oder Automaten reguliert werden. Beobachtet bitte genau, wie sich das Gewicht eures Pferdes bei dieser Art der Pferdefütterung entwickelt. Das Kraftfutter sollte in kleinen Mengen verfüttert werden, da der Darm des Pferdes nur eine kleine Menge an Getreidestärke verdauen kann. Unverdaute Stärke belastet die Darm-Flora.

Heunetz an Heuwaage
Ein Heunetz bremst das Pferd beim Fressen. Es ist länger beschäftigt und frisst nicht zu viel.

Futterrationsbeispiel

für Warmblüter Dt. Reitpferd, 12 Jahre, Stute, Freizeitpferd leichte Arbeit

Ziel: Zum Erhaltungsbedarf vermehrte Energiezufuhr je nach Leistung  durch Ergänzungsfuttermittel zur Hafer-Heu-Ration. Erhalt von Muskulatur, Gesundheit und Vitalität

Verfügbare Futtermittel (pro kg)

  • Weizenstroh (Einstreu und zum Knabbern)
  • Heu
  • Hafer
  • Gerste (Anteil im Kraftfutter sollte 30 % nicht überschreiten; 0,9 kg entspricht 1 kg Hafer)
  • Loesdaus Schwarzwaldmühle Kräuter-Müsli
  • Loesdau Pferdefit Mineral-Pellet

Diese Futtermittel werden entsprechend der benötigten Menge hochgerechnet.

Futterration Tabelle Beispiel
Beispiel einer Futterrationsberechnung (Bild öffnet sich bei Klick in neuem Tab)

Die Substanzen stehen in einem guten Verhältnis zueinander. Sollte die Stute ein gutes Temperament besitzen, sollte die verd. Energie etwas reduziert werden.

Futterration Tabelle leer
Leere Tabelle zum Ausrechnen der Futterration (Bild öffnet sich bei Klick in neuem Tab)

Um ein Gefühl für die richtige Portionierung der Futtermittel zu entwickeln, empfiehlt sich zum Beispiel eine Zeigerschnellwaage zu benutzen. Je nach Dichte hat ein Kleinballen zum Beispiel ein Gewicht von ca 16 kg. Das bedeutet, dass ein Kleinballen bei einer Tages-Heu-Ration ca. in 2 Tagen aufgebraucht ist.

Zeigerschnellwaage
Eine Zeigerschnellwaage hilft beim Wiegen des Heus

Selbstverständlich kann die Futterrationsberechnung noch umfangreicher gestaltet werden, in dem ihr noch weitere Komponenten wie zum Beispiel Vitamin A und Vitamin B in die Rationsberechnung mit einbezieht. Vitamin A sorgt für das Wachstum, Sehvermögen, Hufbildung, Fruchtbarkeit. Vitamin D reguliert den Calcium-Phosphor-Stoffwechsel.

Erfolgt die Fütterung über die Weide, muss auch das Gras bei der Futterberechnung berücksichtigt werden. Immer mehr Pferdehalter möchten ihrem Liebling einen ausreichenden Auslauf durch den Koppelgang bieten. Bei Pferden (mittlerer Arbeit) und Turnierpferden, die ihre Nährstoffe aus dem Krippenfutter durch den vermehrten Leistungsbedarf benötigen, ist zu beachten, dass die Pferde keinen „Bauch“ bekommen. Hier empfehle ich einen Maulkorb. Dabei muss allerdings darauf geachtet werden, dass die Nüstern frei liegen und dass das Pferd damit problemlos trinken kann.

 

 

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Experten von Loesdau

Experten von Loesdau

Die meisten Loesdau Mitarbeiter sind entweder selbst Pferdebesitzer oder Reiter, zumindest aber Pferdeliebhaber. Sie reiten Dressur oder Western, sind Springreiter oder Züchter, Pferdefotograf oder -physiotherapeut, Trainer oder Reitlehrer. Sie sammeln ständig Eindrücke in allen Belangen rund um ihre Vierbeiner und bilden sich auf ihrem Spezialgebiet ständig fort. Außerdem machen die Kolleginnen und Kollegen permanent neue, interessante Erfahrungen, treffen wiederum Spezialisten und wissen in Sachen Pferd definitiv Bescheid. So ist jeder auf seinem Gebiet ein echter Experte und immer up-to-date. Aktuell bedeutendes Wissen erhalten sie in Seminaren, Kursen oder Lehrgängen.
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Über Experten von Loesdau

Die meisten Loesdau Mitarbeiter sind entweder selbst Pferdebesitzer oder Reiter, zumindest aber Pferdeliebhaber. Sie reiten Dressur oder Western, sind Springreiter oder Züchter, Pferdefotograf oder -physiotherapeut, Trainer oder Reitlehrer. Sie sammeln ständig Eindrücke in allen Belangen rund um ihre Vierbeiner und bilden sich auf ihrem Spezialgebiet ständig fort. Außerdem machen die Kolleginnen und Kollegen permanent neue, interessante Erfahrungen, treffen wiederum Spezialisten und wissen in Sachen Pferd definitiv Bescheid. So ist jeder auf seinem Gebiet ein echter Experte und immer up-to-date. Aktuell bedeutendes Wissen erhalten sie in Seminaren, Kursen oder Lehrgängen.

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