Teil 3: Worauf muss ich beim Jungpferd besonders achten?

Welche Besonderheiten hat ein Jungpferd im Vergleich zum erwachsenen Pferd? Worauf ist besonders zu achten und was war alles neu für mich – all das, habe ich in Teil 3 unserer Blogreihe zusammengefasst.

Bevor du beginnst, ein Pferd, das du kaufen möchtest, auszusuchen, solltest du dir darüber Gedanken machen, was du eigentlich möchtest. Auch darüber, ob du dem gerecht werden kannst und über das, was du weißt und kannst, solltest du nachdenken. Ein Trainer kann zwar behilflich sein. Er wird aber nicht immer vor Ort sein können, um zu helfen. Daher musst du dich konkret fragen, was möchte ich? Was kann ich? Und am wichtigsten: Was traue ich mir zu? Sei ehrlich zu dir selbst! Wenn du nachher ein “wildes” Jungpferd kaufst, aber damit am Ende gar nicht klarkommst oder gar Angst kriegst, wäre das sehr schade.

Ich denke, ich muss dir nicht erzählen, dass es selten das wird, was du dir ausgemalt hast. Die Liebe fällt eben dorthin, wo sie möchte :). Bevor ich mir Saffa überhaupt anschaute, überlegte ich lange, ob ich dem Projekt „Jungpferd“ gewachsen bin. Meine Antwort war: Ja, ich kann das, aber ich brauche dabei Unterstützung. Es ist überhaupt nicht schlimm, sich bei so einer großen Aufgabe Hilfe zu holen. Im Gegenteil. Jemand anderes hat einen anderen Blickwinkel, der helfen könnte, wenn du nicht mehr weiter kommst. Und ganz wichtig: Such’ dir jemanden, der zu euch passt. Wenn dein Trainer nachher komplett andere Sichtweisen auf die Pferdeerziehung oder das Training hat, als du selbst, ist damit keinem geholfen.

Unser erstes gemeinsames Bild. In dem Moment wusste ich, DAS ist mein Pferd 🙂

 

Bevor ich mir Saffa kaufte, habe ich sehr viele Informationen zusammengetragen. Darunter die körperliche Entwicklung eines Pferdes im Laufe seines Lebens, die Fütterung und die Haltung. Den Punkt Ausbildung habe ich mir auch angesehen. Aber da gibt es ja tausende Ansätze, jeder macht es anders.

Am Anfang wusste ich, ein Pferd wächst, es verliert seine Milchzähne und dabei sollte es mit Zusätzen unterstützt werden. Dass ein Jungpferd, das gesund heranwachsen soll, viel Bewegungsfreiheit und den Kontakt zu anderen Pferden braucht, war mir auch klar. Deswegen entschied ich mich für den Offenstall. Saffas Aufzucht hätte besser nicht sein können – auf der Koppel mit der Mutterstute in der Herde den ganzen Sommer auf der Alm. Selbst bei meiner Bekannten war er 24/7 mit anderen Junghengsten und einem älteren Wallach auf der Koppel. Diese Freiheit und den Kontakt zu anderen will ich ihm auf keinen Fall nehmen.

Zu den anderen Themen wälzte ich massenweise Bücher, klickte mich durch Internetforen und Blogs, schaute Videos an und redete mit Leuten, die Erfahrung mit Jungpferden haben.

Saffa, 10 Tage alt mit Mutterstute “Wanda”. © Jochen Auer

 

 

Aber wie wächst denn ein Pferd? Beim Jungpferd wechseln sich Vor- und Hinterhand ab. Beim nicht ausgewachsenen Pferd ist oft eines höher als das andere. Ist das Pferd in der Ausbildung, kann es sein, dass du hier mit Rückschritten konfrontiert wirst. Das ist aber nicht weiter schlimm, denn das Jungpferd muss erst seinen Körper (wieder) kennenlernen. Der verändert sich in dieser Phase permanent und massiv. Besonders die Balance macht den Pferden dabei zu schaffen.

Bei Chic, der 4-jährigen Quarterstute meiner Freundin, kannst du sehr gut sehen, dass die Hinterhand momentan höher ist, als die Vorhand. © Stefanie Klett

 

 

Wie der Mensch auch, hat das Pferd Milchzähne. Bei den Schneidezähnen kannst du den Zahnwechsel gut beobachten. Auch beim Zahnwechsel können Probleme auftreten: Die Milchzähne sollten ab und zu kontrolliert werden, denn wenn sie nicht ausfallen, könnten sich die neuen Schneidezähne den falschen Platz zum Wachsen suchen. Ich glaube kaum, dass es eine Zahnspange für Pferde gibt… Wenn die Zähne dann aber doch schief wachsen sollten, zieht unbedingt euren Tierarzt hinzu.

Milchzahn (Schneidezahn), der bei unserem ersten Hufpflegetermin rausgefallen ist.

 

 

Unglückliche Zufälle gibt es auch hier, wenn die Schneidezähne so ausfallen, dass das Pferd zum Beispiel das Heu nicht mehr aus dem Heunetz ziehen kann. Darauf solltest du  ebenso achten und die Fütterung gegebenenfalls anpassen.

Der Prozess des Zahnwechsels dauert ungefähr bis zum Ende des 4. Lebensjahres. Die letzten Zähne, die durchbrechen, sind die hinteren Backenzähne. Im Fachjargon sind das die Molaren. Dabei kann es sein, dass dem Pferd die Wangen weh tun und es sich das Kopfstück nicht mehr gern anziehen lässt. Babys, die zahnen zeigen ihren Schmerz und schreien. Da Pferde nicht schreien, solltest du genau beobachten, ob das Zahnen ihm gerade Schmerzen bereitet.

Bei Hengsten und Wallachen kommen die Hengst- oder auch Hakenzähne im vierten Lebensjahr dazu. Besonders bei diesen Zähnen können später Probleme auftreten, wenn das Pferd ans Gebiss gewöhnt werden soll.

Auch interessant, sprengt aber leider den Rahmen dieses Beitrags, ist das Erkennen des Alters des Pferdes an den Zähnen. Ganz kurz: An der Rundung, wie die Schneidezähne angeordnet sind, wie arg die Schneidezähne abgenutzt sind und an dem Winkel, in dem die Schneidezähne zueinanderstehen, kann der Tierarzt erkennen, wie alt das Pferd ungefähr ist.

Saffa ist mitten im Zahnwechsel und hat schon einige Schneidezähne verloren. Daher achte ich darauf, dass er außer Heu noch etwas Weicheres zum Fressen bekommt und weiche es nach Bedarf vorher ein. Wichtig ist ein gutes Mineralfutter, damit sich die Knochen und die neuen Zähne gut entwickeln können. Außerdem empfehle ich eine Futterberatung, um genauestens zu erfahren, was ein Pferd braucht und, was nicht. Saffa bekommt von mir ein paar Handvoll Wiesenchips von Marstall und das golden Mineral von Eggersmann. Da Saffa in Erhaltung (keine Arbeit, Energiebedarf ist gedeckt) steht, habe ich seine Ration so berechnet, wie wir dir in diesem Blogbeitrag schon erklärt haben.

Saffa bekommt Wiesenchips, Mineralfutter und eine kleingeschnittene Karotte

 

 

Eigentlich braucht er keine weitere Energiezufuhr, denn er steht in seinem Offenstall mit Heu, zu dem er zu jedem Zeitpunkt Zugang hat. Da Heu aber nicht alle Spurenelemente und Zusätze enthält, gibt es das Mineralfutter. Zweimal in der Woche kriegt er auch das Mash Rapid von Josera, denn wir arbeiten ja doch ein kleines bisschen und das Mash ist durch den hohen Anteil an Leinsamen obendrauf noch gut für den Darm. Zusätzlich hängt im Stall noch ein Himalaya-Salzleckstein.

Die ersten 6 Wochen hat er noch eine Magenkur aus Kräutern bekommen, denn er hatte durch den Umzug und die Kastration doch ganz schön viel Stress. Schwierigkeiten am Anfang hatten wir, weil er außer Heu nichts kannte. Er kannte nicht mal Karotten, keine Äpfel und keine Bananen. Von Leckerlies ganz zu schweigen. Von Spritzen im Maul (Medikament) hält er auch nichts. An all das hat er sich gewöhnt, ich habe ihm die Zeit dazu gelassen. Da er mit seinen Milchzähnen eine Zeitlang nichts abbeißen konnte, schnitt ich ihm die Karotten und Äpfel klein und verwendete sie als Belohnung.

Wenn wir unser Vertrauen soweit gefestigt haben, dann werde ich die Fütterung etwas eiweißreicher gestalten, sodass er nach und nach Muskeln aufbauen kann. Wichtig ist, dass du deinem (Jung-)Pferd nicht zu viel Zucker fütterst.

Eine weitere Besonderheit in unserem Fall ist Saffas Fellfarbe; Schimmel. Im Pass steht sogar “Braunschimmel” drin. Sein Halbbruder, Mantua, ist ein Rappschimmel.
Sie heißen so, weil die entweder als Brauner oder als Rappe geboren wurden und mit dem Alter langsam ausschimmeln. Ausschimmeln heißt, das Pferd wird mit den Jahren weiß.
Bei Lipizzanern ist der Schimmel die vorherrschende Farbe. Es gibt auch vereinzelt Braune, die werden sogar als Glücksbringer angesehen.
Ich finde den Prozess des Ausschimmelns super interessant, wenn man sich das Fohlenbild von oben und Saffa jetzt anschaut.

Saffa mit 10 Tagen (links) und Saffa jetzt mit 3 Jahren (rechts). Schlafen war schon immer seine Lieblingsbeschäftigung 😉

Mit jedem Fellwechsel wird er ein paar Nuancen heller. Mähne und Schweif brauchen, bis sie ganz weiß sind, am längsten. So, und nun hoffe ich du freust dich schon auf den nächsten Beitrag, in dem es um Saffas Erziehung gehen wird.

 

 

 

Sonja

Über Sonja

Pferdeverrückt war ich schon immer. Alles fing mit meiner zuerst überschaubaren Schleich-Pferde Sammlung an, die bald ein unüberschaubares Ausmaß annahm. Mit 8 Jahren durfte ich dann bei der örtlichen Jugendfarm mit dem Reiten anfangen. Die Zeit dort war und ist auch heute noch unvergesslich. Als ich dann aus den Ponys dort "rausgewachsen" bin, hatte ich meine erste Reitbeteiligung, auf die dann viele weitere folgten. Nach meinem Studium, Medieninformatik, fing ich an, als Entwicklerin bei Loesdau zu arbeiten und konnte mir so endlich das erste eigene Pferd leisten. Den Lipizzaner Wallach Saffa. Zu dem Zeitpunkt war er knappe 3 Jahre alt. Jetzt sind wir mitten in der Ausbildung und ich bin gespannt, wohin die Reise uns führen wird :)

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