Anpassung und Zügelführung der Kandare

Auf Kandare reiten klingt kompliziert, denn du hast vier Zügel in der Hand, zwei Gebisse befinden sich im Pferdemaul und dann kommt auch noch eine Kinnkette dazu. Wo gehört denn nun was bei der Kandare genau hin? Worauf muss ich besonders achten? Und warum? Ab wann darf ich überhaupt eine Kandare verwenden? Und wie übe ich das, ohne meinem Pferd dabei weh zu tun? Fragen über Fragen, die ich dir – in Kooperation mit Inke von Team Inleobo – jetzt beantworte.

 

Was ist eine Kandare?

Eine Kandare ist ein Trensengebiss mit Hebelwirkung. Diese Hebelwirkung wird durch eine unter dem Gaumen verlaufende Kinnkette sowie durch die Unterbäume an der Kandare erzeugt. Desto länger die Anzüge der Kandare, desto stärker ist die Hebelwirkung. Jedoch zieht eine Kandare mit langen Hebeln nicht so schnell an.

Es gibt Spring- und Dressurkandaren. Der wichtigste Unterschied ist sofort erkennbar. Bei der Dressurkandare kommt immer eine Unterlegtrense zum Einsatz, wohingegen die Springkandare einzeln verwendet wird.

Wichtig zu wissen ist, dass nur Reiter mit einem vom Zügel unabhängigen Sitz sowie einer losgelassenen Hilfengebung eine Kandare benutzen dürfen. Ansonsten kannst du  dem Pferd großen Schaden zufügen. Die Kandare dient nicht dazu, eine Anlehnung zu erzwingen, sondern lediglich zur Verfeinerung der Hilfen. Empfohlen wird die Kandare deswegen erst ab Lektionen der Klasse M.

Inke von Team Inleobo reitet Klasse M und erklärt dir im folgenden Video, was du zum Thema Kandare wissen musst.

 

Außerdem empfehle ich dir nochmal in den Richtlinien für Reiten und Fahren vom FN Verlag

oder hier die korrekte Zügelführung, Anpassung und wie du üben kannst nachzulesen. Also los:

Dressurkandare im Pferdemaul
Dressurkandare im Pferdemaul.

Wie liegt die Kandare im Pferdemaul?

Kandaren sind Stangengebisse und liegen im Pferdemaul wie eine Trense auf Laden und Zunge. Wählst du eine Kandare mit viel Zungenfreiheit, so erhöht sich der Druck auf den Laden des Pferdes. Bei Kandaren ohne Zungenfreiheit verteilt sich dieser Druck auf Laden und Zunge. Bei der Dressurkandare wird eine einfach oder doppelt gebrochene Unterlegtrense hinter die Kandare geschnallt. Beide Gebisse liegen hintereinander auf der Pferdezunge.

Wie verschnalle ich die Dressurkandare richtig?

Das Reithalfter des Kandarenzaums verschnallst du gleich wie die Trensenzäumung. Hier gilt für den Nasenriemen: zwei Fingerbreit unter dem Jochbein und in den Kehlriemen sollte eine Faust passen. Ein Sperrriemen wird bei Kandarenzäumungen nicht verwendet.

Bei der Auswahl der Gebisse gibt es einiges zu beachten. Wähle die Unterlegtrense dünner als ein normales Trensengebiss, da zwei Gebisse mehr Platz im Pferdemaul einnehmen.

Pferd mit dressurkandare
Eine korrekt aufgezäumte Dressurkandare.

Unterlegtrensen sind zwischen 10 und 14mm dick. Wie die Unterlegtrense gebrochen sein soll, entscheidest du bestenfalls anhand der normalen Trense. Auch die Größe der Unterlegtrense sollte dieselbe sein, wie bei einem normalen Trensengebiss auch.

Die Kandare sollte am Maul anliegen. Deshalb nimmst du sie eine halbe Größe kleiner als die Unterlegtrense. Ob dein Pferd lieber eine Kandare mit oder ohne Zungenfreiheit annimmt, musst du ausprobieren. Vorgeschrieben ist hier eine Mindestdicke von 14 mm bei der Kandare und 10 mm bei der Unterlegtrense.

Die Kinnkette sollte glatt nach rechts gedreht werden und im Kinnkettenhaken eingehängt werden.

Nimmst du die Kandarenzügel an, dann sollte der Winkel der Kandarenanzüge 45° betragen. Ist der Winkel zu groß, ist die Kinnkette zu locker. Ist er kleiner, ist sie zu eng.

So viel Metall im Mund ist für die meisten Pferde sehr ungewohnt. Deshalb mein Tipp: Gehe nach dem ersten Auftrensen erst einmal eine kleine Runde über den Hof ohne den Nasenriemen zu schließen, sodass sich das Pferd an die Gebisse im Maul gewöhnen kann.

Wie funktioniert die Zügelführung mit Dressurkandare?

Beim Reiten mit Dressurkandare gibt es drei Arten der Zügelführung. Üben kannst du das am Anfang während des Reitens mit zwei Zügeln auf Trense. Dafür wird ein Zügel in den Nasenriemen des Reithalfters eingeschnallt und der andere ganz normal in das Trensengebiss. So kann gewöhnst du dich schon mal an die doppelte Zügelführung, ohne Schaden im Pferdemaul anzurichten, wenn du einen Fehler machst. Außerdem sollte immer ein guter Reitlehrer die ersten Ritte mit Kandare beaufsichtigen.

Gekreuzte Zügelführung
Gekreuzte Zügelführung nach FN Richtlinien für Reiten und Fahren Band 2

Gekreuzte Zügelführung
Die gekreuzte Zügelführung ist die gewöhnlichste. Hierbei werden die beiden Zügel gekreuzt, sodass der Kandarenzügel über dem Trensenzügel, zwischen Mittel- und Ringfinger gehalten wird. Bei einer Parade kommt diese eher auf der Unterlegtrense an.

Parallele Zügelführung
Parallele Zügelführung nach FN Richtlinien für Reiten und Fahren Band 2

Parallele Zügelführung
Bei der parallelen Zügelführung wird der Trensenzügel wie gewöhnlich, zwischen Ringfinger und kleinem Finger gehalten.
Der Kandarenzügel verläuft unter dem kleinen Finger. Diese Zügelführung ist etwas schärfer, weil eine Parade zuerst auf der Kandare ankommt.

Drei zu Eins Zügelführung
Drei zu Eins Zügelführung nach FN Richtlinien für Reiten und Fahren Band 2

3:1 Zügelführung
Diese Art der Zügelführung ist die älteste und wird heute noch in der klassischen Reitweise angewendet. Dabei werden die Trensenzügel ganz normal gehalten, aber beide Kandarenzügel in einer Hand. Der Vorteil: Die Kandare wirkt nur aufrichtend und du kannst Paraden auch nur über die Trensenzügel geben.

 
Wenn du dich für einen Kandaren-Produkttest interessierst, dann bist du in diesem Blogbeitrag genau richtig.

Carina
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