Nuno Avelar: „Working Equitation ist feine Kommunikation“

Nuno Avelar im Interview über die Disziplin Working Equitation.

Nuno Avelar ist dreifacher portugiesischer Meister, Welt- und Europameister mit der portugiesischen Nationalmannschaft in Working Equitation. Seit März 2017 übernimmt er die Aufgabe des Bundestrainers für die deutsche Nationalmannschaft der Working Equitation. Er wird das Team für die WAWE Working Equitation Weltmeisterschaften 2018 trainieren.

Nuno Avelar ist dreifacher portugiesischer Meister, Welt- und Europameister! Foto: Marina Weteschnik

Er ist professioneller Reiter und Trainer in der Working Equitation und in der klassisch-iberischen Dressur. Er absolvierte seine Ausbildung zum Bereiter und Reitlehrer am portugiesischen Nationalgestüt „Coudelaria de Alter“ und besitzt die internationale FEI Trainerlizenz. Er lebt jetzt in Weinheim in der Kurpfalz und ist seit vielen Jahren europaweit ein sehr gefragter Trainer und Ausbilder in der Dressur und natürlich der Working Equitation.

Nuno Avelar ist professioneller Reiter und Trainer in der Working Equitation

 

 

Wir freuen uns, dass wir ihm Fragen rund um die Disziplin Working Equitation stellen dürfen:

Was fasziniert Sie besonders an der Working Equitation?

Working Equitation ist etwas ganz Besonderes, super interessant, aufregend und nicht monoton. Pferd und Reiter haben dabei die Möglichkeit, unterschiedlichste Übungen und Kombinationen zu trainieren. Dem Lernen sind in der Working Equitation keine Grenzen gesetzt. Diese Disziplin fordert kein teures Pferd, um Erfolg zu haben, es verlangt viel Hingabe, Anstrengung und Talent.

Dem Lernen sind in der Working Equitation keine Grenzen gesetzt. Foto: Susanne Wiederkehr

Warum haben Sie sich für die Disziplin Working Equitation entschieden?

In Portugal wird sehr häufig und gut WE* geritten. Seit meiner Kindheit habe ich bei der WE zugeschaut und davon geträumt. Im Alter von 29 Jahren hatte ich dann die Chance diese Disziplin auszuprobieren und meine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Ein Freund hat mir dafür sein Pferd Bogotá zur Verfügung gestellt. Endlich bekam ich diese Chance.

Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

Hohe Hingabe, sehr viel Arbeit, gute Freunde um sich herum und das Glück, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Ich entschied mich immer für die Arbeit und das Reiten und nicht für Party und Urlaub. Es ist wichtig, sein Ziel ganz klar vor Augen zu haben. Und ich hatte mein Ziel ganz klar in meinem Kopf.

 

Erfolgsrezept: Hohe Hingabe, häufiges Training und klare Ziele. Foto: Susann Nordmann

Wie ist diese Disziplin entstanden?

WE wurde mit der Zielsetzung geschaffen, die Reittechniken zu vereinen, die in unterschiedlichen Ländern aus der landwirtschaftlichen Pferdenutzung entstanden sind. Die WE versucht, das tägliche Leben eines Farmers mit seinem Pferd in verschiedenen Situationen nachzuahmen.

Aus welcher Art an Lektionen setzt sich das vielfältige Training zusammen?

Eine Übung, welche die Pferde gut für die Working Equitation vorbereitet, ist zum einen auf gerader Linie immer wieder Volten einzubauen sowie Handwechsel aus der Volte heraus (bsp.: halbe Volte links-halbe Volte rechts) für junge und unerfahrene Pferde mit Trab-Schritt Übergang bei X, für die schon etwas besser trainierten Pferde mit Galopp-Schritt-Übergang oder einem fliegenden Wechsel. Generell sollte das Pferd für die Working Equitation gut durchgymnastiziert und aufmerksam sein. Dies erreicht man gut durch das Reiten von vielen gebogenen Linien, Seitengängen und Tempoübergängen.

 

Volten auf beiden Händen sind ein gutes Training.

Warum denken Sie, dass Working Equitation derzeit so zum Trend wird? Was ist der Reiz an dieser Disziplin?

WE ist in den letzten Jahren sehr stark gewachsen. Der WAWE (Weltverband) und unser WED (deutscher Verband) machen dabei einen tollen Job. Es liegt aber noch ein weiter Weg vor uns.

Ich habe ein kleines Beispiel: Auf der letzten Pferd International 2017 hatten wir einen Tisch zum Abendessen mit mehr als 26 Personen (Reiter, Richter, Freunde) aus Österreich, England, Portugal, Schweden, Deutschland. Dabei herrschte eine sehr gute und freundliche Atmosphäre, das findet man selten in anderen Disziplinen. Vielleicht ist das ein Grund neben der vielfältigen und spannenden Reiterei?

WE ist fantastisch für Reiter und Pferde, auch die Atmosphäre ist wirklich etwas ganz  Besonderes.

Welche Fähigkeiten werden bei der Working Equitation besonders trainiert? Was lernen Pferd und Reiter dabei?

Von Reiter und Pferd müssen Hindernisse in hoher Qualität mit einem feinen Stil überwunden werden. Dabei ist eine schnelle Koordinationsfähigkeit notwendig sowie eine tolle Kommunikation zwischen Pferd und Reiter. Wer WE trainiert, wird erfahren, was ich meine.

Es müssen Hindernisse in hoher Qualität mit einem feinen Stil überwunden werden.

Ist Working Equitation auch für Freizeitreiter geeignet? Oder müssen Pferd und Reiter bereits sehr weit ausgebildet sein?

Das muss nicht sein, denn es gibt Klassen für jedes Reitniveau und alle Pferde. Wer mit Leidenschaft reitet, der kann weit kommen. Dabei muss man beachten, dass in den hohen Klassen einhändig geritten wird. Die hohen Klassen kommen einer Grand Prix Kür nahe, die mit einer Hand geritten werden muss. Daneben gibt es aber viele Klassen, die mit beiden Händen geritten werden können.

Welche Tipps können Sie Working Equitation Anfängern bzw. Einsteigern mit auf den Weg geben?

Den Reitern, die mit der WE anfangen möchten, empfehle ich von einem guten Trainer zu lernen. Der Trainer sollte selbst ein guter Working Equitation Reiter sein. Denn ohne einen guten Trainer, kann es passieren, dass Anfänger falsche Informationen erhalten und das Falsche lernen. Auch empfehle ich, niemals aufzugeben. Jedes Problem kann viel Zeit in Anspruch nehmen, aber es gibt immer eine Lösung.

 

Nuno Avelars Tipp: Anfänger sollten von einem guten Trainier trainiert werden.

 

Eines Ihrer jüngsten Projekte ist die Produktion von Videos. Sind diese Videos für Anfänger bzw. Einsteiger geeignet?

Ja, das Video-Training ist mein aktuellstes Projekt. Dabei unterstützt mich eine nette Gruppe, darunter ist meine Freundin, einige Freunde und tolle Profis. Ohne sie könnte ich es nicht umsetzten. Die Video-Trainings sind speziell für Anfänger geeignet. Ich reise viel in ganz Europa und kenne die Probleme und die Zweifel der Reiter. Meine Videos mache ich für diese große Gruppe von Reitern, die anfangen zu trainieren und Hilfe brauchen. Es ist geplant, dass wir später auch Videos für Profireiter machen, aber jetzt noch nicht.

Als selbst erfolgreicher Reiter und ehemaliges Mitglied der portugiesischen Nationalmannschaft möchte Nuno Avelar sein Wissen und seine Erfahrung an interessierte Reiter weitergeben. Aus diesem Grund könnt ihr euch hier für seine Lehrvideos registrieren: http://nunoavelar-academy.com/register/

 

*WE = Working Equitation

Constanze

Constanze

Jeden Tag verbringe ich viel Zeit mit meinen Pferden. Schön ist, dass ich bei Loesdau diese Erfahrungen und dieses Wissen täglich einbringen, aber auch erweitern kann. Bei der Erstellung der Newsletter und der Betreuung unserer Social Media Plattformen ist dieses Fachwissen oft gefragt.
Constanze

Über Constanze

Erfahrung/Motivation: Schon von Kind an verfolgen meine Zwillingsschwester und ich unser gemeinsames Hobby: Pferde. Als Kinder nahmen wir regelmäßigen Reitunterricht und haben uns immer wieder eigene Pferde gewünscht. Nun begleiten uns Jeany und Janet schon seit über 10 Jahren durch das Leben. Jeany ist eine Welsh-A Stute und die Tochter von Janet. Janet ist eine große Shetland-Pony-Mix Stute. Beide werden von uns auf dem Platz dressurmäßig geritten. Als Abwechslung machen wir auch viel Bodenarbeit. Zum Ausgleich gehen wir gerne mit Freunden ins Gelände. Mit Coreano Salvatella haben wir uns erst kürzlich den großen Wunsch nach einem reinrassigen Pura Raza Española in der Traumfarbe Rappe erfüllt. Er ist aus einem großen Gestüt direkt aus Spanien und hat einen sehr bekannten Vater, Corinto X aus der Guardiola Linie. Er ist dreijährig und lernt erst noch das „Pferde-ABC“. Longieren und Bodenarbeit klappen schon sehr gut. Hier zeigt er schon jetzt seinen rassetypischen anständigen und gelehrigen Charakter. Vierjährig wird er dann von uns dressurmäßig ausgebildet. Wir freuen uns schon sehr auf die gemeinsame Zukunft!

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