Sicher reiten – dos and don‘ts

Reiten macht Spaß – kann aber auch gefährlich sein. Die „Hamburger Arbeitsgruppe Reitsicherheit“ ist ein Team aus Medizinern, Ingenieuren und aktiven Reitern, das sich die Erhöhung der Sicherheit im Reitsport zur Aufgabe gemacht hat. Frau Prof. Dr. med. Ute Lockemann, Geschäftsführerin der Arbeitsgemeinschaft und Oberärztin am Institut für Rechtsmedizin in Hamburg, gibt im Gespräch wertvolle Tipps, wie die Unfallgefahr durch richtigen Umgang und Schutzkleidung wie Reithelm und Sicherheitsweste deutlich gesenkt werden kann.

 

Frau Prof. Dr. Lockemann, Reiten gilt als gefährliche Sportart. Können Reitanfänger denn überhaupt mit einem guten Gefühl auf ein Pferd?

Ja, sicher, wenn die Vorbereitung auf den Reitsport stimmt und einige wichtige Voraussetzungen erfüllt werden. Jeder sollte ein Pferd beispielsweise sicher eigenständig aufzäumen, aufsatteln und durch schwierige Situationen führen können, bevor er regelmäßig reitet. Die Unfallgefahr sinkt deutlich, wenn Anfänger auf freundlichen, erfahrenen Pferden mit intaktem, überprüftem Sattelzeug reiten. Wichtig ist auch immer Schutzkleidung. Ein Reithelm und eine Sicherheitsweste sollten nicht fehlen. Die kontinuierliche Anleitung und Ausbildung eines guten Reitlehrers minimiert zudem das Risiko.

 

 

Wie können sich Reitanfänger auf die Gefahren des Reitsports vorbereiten?

Reitanfänger sollten möglichst ohne Angst das Reiten erlernen können – am besten von guten Reitlehrern!

Was ist die Grundvoraussetzung, um reiten lernen zu können?

Einsteiger müssen Pferde mögen und stets Respekt vor ihnen haben. Kinder beispielsweise müssen wissen, dass das Pferd wesentlich stärker ist und nur aus gutem Willen beim Reiten mitmacht. Sie müssen lernen, wie Pferde fachgerecht behandelt werden.

Was sind also die ersten Schritte?

Zunächst gilt es, Anfänger an das Pferd zu gewöhnen. Sie müssen über die Natur des Pferdes und seine Verhaltensweisen aufgeklärt werden. Pferde sind schreckhafte Fluchttiere, haben einen enormen Bewegungsdrang und ein streng hierarchisch gegliedertes Sozialverhalten in der Herde. Wir müssen wissen, wie wir uns dem Pferd gefahrlos nähern, wie wir es ansprechen, wo wir es berühren beziehungsweise, wo wir es auf keinen Fall streicheln können. Anfänger müssen lernen, wie sie es korrekt führen, putzen, anfassen. Der Gefahr des Ausschlagens und des Beißens sollte sich jeder jederzeit bewusst sein.

 

 

Selbst dann gilt das Reiten immer noch als gefährlich…

Ja, beim Reitsport, ebenso wie bei vielen anderen Sportarten, kann es zu Unfällen kommen, die dann zum Teil schwerwiegende Verletzungen zur Folge haben.

Warum sind Unfälle im Reitsport so schwerwiegend?

Die Unfälle im Reitsport sind deshalb gefährlich, weil die Stürze vom oder mit dem Pferd meistens aus relativ großer Höhe passieren oder mit hoher Geschwindigkeit. Im Falle eines gemeinsamen Sturzes kann das Pferd auf den Reiter fallen und durch sein Gewicht schwerwiegende Verletzungen verursachen. Gefahren können aber nicht nur aus Stürzen resultieren, sondern auch aus Tritten oder Bissen der Pferde. Diese können vermieden werden durch eine gute Kenntnis der Pferdepsychologie und durch gewissenhaftes Beobachten des Pferdes ohne Ablenkungen zum Beispiel durch Handys, Freunde oder Eltern. Ein Reithelm schützt den Kopf vor Schlägen oder einem harten Aufprall.

Was raten Sie also?

Vor dem Reiten sollte ein Bodentraining mit dem Pferd stehen. Korrektes Führen durch verschiedene Hindernisse sollte jeder Reiter bzw. angehende Reiter beherrschen. Ich empfehle, eine Art Gelassenheitsprüfung zu absolvieren, also den Umgang mit einem Pferd zu üben, bevor auf das Pferd gestiegen wird. Wenn es zum Reiten kommt, muss das Auftrensen, Satteln und Nachgurten gut funktionieren. Und korrekte Schutzkleidung ist unbedingt erforderlich. Auch feste Schuhe mit Absatz, die nicht durch die Bügel rutschen können, sind Pflicht neben einem Helm und einer Schutzweste.

 

 

Welches sind die kritischsten Situationen?

Die meisten Reitunfälle passieren beim Aufsteigen – allerdings, nicht nur bei Anfängern, sondern auch bei Profireitern. Daher rate ich Anfängern: Aufsteigen nur mit Hilfsperson.  Pferde empfinden hier den größten Stress, da der Instinkt „Raubtier springt Beutetier auf den Rücken“ gelegentlich mit ihnen im wahrsten Sinne des Wortes „durchgehen“ kann. Auch im Stall und beim Putzen sollten Kinder bereits einen Reithelm tragen. Bei Kindern kommt es daneben häufig zu Biss-Verletzungen. Sie haben leider oft zu geringe Kenntnisse über das natürliche Verhalten des Herdentieres Pferd, das einen natürlichen Futterneid hat. Kinder sollten Pferden keine kleinen Leckerbissen aus der Hand geben. Durch fehlerhaftes Führen passiert es leider auch, dass Füße unter Pferdehufe geraten.

 

 

Wie können Unfälle vermieden werden?

Zunächst ist beim Reiten Sicherheitskleidung, wie Reithelm und Sicherheitsweste, Pflicht! Sie sollte immer getragen werden. Dann sind auf jeden Fall am Anfang keine eigenständigen Aktionen mit dem Pferd zu empfehlen. Die kontinuierliche Begleitung und professionelle Anleitung durch eine geschulte Person – auch schon bei den vorbereitenden Handlungen am Pferd – werden dringend empfohlen. Kinder sollten zunächst die Pferde kennenlernen und den Umgang mit den Tieren üben. Sie sollten wissen, welche gefahrenträchtigen Situationen es gibt. So können Pferde beispielsweise sehr angespannt sein, haben sie zu wenig Bewegung im Winter. Auch erschrecken sie bei unvorhergesehenen Geräuschen wie einer raschelnden Jacke oder beim plötzlichen Auftauchen anderer Menschen oder Tiere. Gefährlich ist es, wenn Anfänger sich überschätzen und meinen, mal ein junges oder unausgeglichenes Pferd reiten zu können.

 

 

Gibt es Pferderassen, die gefährlicher sind als andere?

Keine Pferderasse ist per se gefährlich. Gefahren entstehen durch den nicht sachgerechten Umgang mit dem Pferd. Einige Pferde nehmen fehlerhaftes Verhalten des Menschen nicht so krumm. Sie sind eher gutmütig und geduldig zum Beispiel ältere, erfahrene Pferde, die im Grunde Vertrauen haben zu den Menschen. Häufig gelten auch Haflinger, Norweger, Kaltblutpferde, Friesen, Shire Horses oder auch Isländer als eher ruhig. Höher im Blut stehende, nervöse, temperamentvolle oder junge Pferde, aber auch Pferde, die durch wiederholte Umgangsfehler oder Grobheiten des Menschen „sauer“ gemacht wurden, sind eher sensibel und reagieren bei fehlerhaftem Verhalten überschießend oder heftig.

 

 

 

Christine

Meine Leidenschaften Schreiben und Pferde bekomme ich bei Loesdau perfekt unter einen Hut. Seit November 2011 sind Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne und externe Kommunikation sowie die Sozialen Medien meine beruflichen „Spielfelder“.

Über Christine

Erfahrung/Motivation: Nach einer sehr langen Reitpause begann ich im April 2012 wieder zu reiten. Eine schöne Schwarzwälder Fuchs Stute namens Jeany freute sich genauso wie ich über unsere langen und erholsamen Ausritte durch den Wald. Das Besondere an unserer Verbindung ist und bleibt, dass Jeany es schaffte, mich sehr schnell wieder komplett für Pferde zu begeistern. Zwar gelingt es mir momentan aus beruflichen und familiären Gründen nur ein bis zweimal in der Woche bei den Vierbeinern, die mir so viel geben, zu sein, den Stall zu machen und zu reiten. Aber diese Auszeiten müssen sein! Jeanys Stallgenossen sind wunderschöne Tersker, von denen ich momentan Nadja reiten darf. Wir sind ein relativ neues Team und gewöhnen uns noch im Dressurviereck und im Gelände aneinander – allerdings mit allerbesten Fortschritten!

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