Gebisse für Jungpferde – welches passt am besten?

Die richtigen Gebisse für Jungpferde zu finden, erfordert Geduld und gute Beobachtung. Außerdem solltest du auch dich selbst und deine Fähigkeiten gut einschätzen können. Ich habe für dich an meinem Jungpferd Saffa verschiedene Gebisse getestet und möchte dir deren Wirkungsweisen erklären. Natürlich verrate ich dir auch Saffas Favoriten.

An Gebissen habe ich getestet: 

  • Wassertrense
  • Olivenkopfgebiss
  • Schenkeltrense
  • Stangengebiss

Was ich aber noch gern erklären möchte, ist die Kandare. Die habe ich mit meinem Pferd natürlich noch nicht getestet, da er einfach zu jung dafür ist.

Die Wassertrense

Die Loesdau Wassertrense
Gebisse für Jungpferde? Die Loesdau Wassertrense ist sicher dabei!

Das wohl am häufigsten genutzte Gebiss ist die Wassertrense. Du erkennst sie an den Ringen rechts und links, an denen das Gebissstück durchlaufen kann. Es gibt sie in einfach und in doppelt gebrochener Form. Dabei unterscheidet sich ganz deutlich die Wirkungsweise! Bei einer einfach gebrochenen Wassertrense kann es einen Nussknacker-Effekt geben, der das Gelenk des Gebisses in den Gaumen des Pferdes drückt. Bei der doppelt gebrochenen Wassertrense kann es durch das Mittelstück, das in drei Teile gebrochen ist, zu keinem Nussknacker-Effekt kommen. Das Pferd kann dem Druck der Wassertrense ein Stück weit entgehen, indem es die Zunge nach oben drückt. Eigentlich sollte man denken, dass das doppelt gebrochene Gebiss unruhiger im Maul liegt, weil es beweglicher ist, als das einfach gebrochene. Das ist aber tatsächlich nicht der Fall, denn die Glieder des Gebisses können unruhige oder harte Reiterhände bis zu einem gewissen Punkt ausgleichen. 

Während die einfach gebrochene Wassertrense auf die Laden wirkt, übt die doppelt gebrochene zusätzlich Druck auf die Zunge aus. Dadurch, dass die Trense aus zwei oder auch drei Gliedern besteht, können die Zügelhilfen rechts und links unabhängig voneinander wirken.
Bei der Wassertrense kannst du nicht viel falsch machen. Aufpassen musst du nur, wenn dein Pferd fleischige oder große Laden hat. Dann kann es sein, dass es sich die Maulwinkel zwischen Gebiss und Trensenring durch die laufenden Ringe einklemmt. Dafür gibt es aber Gebissscheiben aus Gummi, die du über die Trensenringe ziehen kannst. So bleiben die Maulwinkel verschont. Bei wenig Platz im Maul beisielsweise wegen einer fleischigen Zunge musst du die Dicke der Gebissglieder dünner wählen. Wie du das ausmisst, haben wir dir in diesem Blogbeitrag erklärt.

Die Olivenkopftrense

Saffa mit Olivenkopfgebiss
Saffa mit Olivenkopftrense, einfach gebrochen. Sie zählt auch in die Kategorie: Gebisse für Jungpferde.

Die Olivenkopftrense zählt ebenfalls in die Kategorie: Gebisse für Jungpferde. Genauso wie die Wassertrense gibt es sie in einfach und in doppelt gebrochener Form. Die Wirkungsweise ist sehr ähnlich, mit dem Unterschied, dass die Olivenkopftrense keine durchlaufenden Ringe rechts und links hat. Dadurch kann das Gebiss weniger Bewegung, die von der Reiterhand kommt, abfangen und überträgt diese direkt ins Maul. Gut finde ich bei der Olivenkopftrense, dass Pferde mit fleischigen Laden diese nicht in den Gebissringen einklemmen können, wie bei der Wassertrense. Saffa mag sie auch ganz gern und momentan ist es das von uns am häufigsten genutzte Gebiss.

Die Schenkeltrense

Saffa mit Schenkeltrense
Die Schenkeltrense mag Saffa nicht so gern, da die Schenkel des Gebisses im Maul außen sehr dick sind.

Auch die Schenkeltrense gibt es in einfach und doppelt gebrochener Form. Dieses Gebiss hat rechts und links jeweils einen “Schenkel”. Dieser hat keine Hebelwirkung, er begrenzt das Pferd vielmehr und verhindert, dass das Gebiss „durchrutschen“ kann. Manch einer sagt, dieses Gebiss sei für Jungpferde gut geeignet, aber der Reiter muss damit auch umgehen können. Denn hier können die Zügelhilfen rechts und links nicht unabhängig voneinander wirken. Wenn du am linken Zügel zupfst, wird der Schenkel rechts ans Pferdemaul gedrückt. Meiner Meinung nach gehört dieses Gebiss nicht in Anfängerhände, die eventuell zu stark an den Zügeln ziehen könnten.

Ich habe dieses Gebiss mit Saffa in der Handarbeit getestet, auch um seine Feinheit auf Zügelhilfen zu verbessern. Er hat es ganz gut angenommen. Was es bei diesem Gebiss zu bedenken gilt, ist, dass die Gebissstücke selbst an den Mundwickeln recht dick sind. Wenn dein Pferd nicht viel Platz im Maul hat, z.B. durch eine fleischige Zunge, kann es sein, dass es dieses Gebiss nicht mögen wird.

Das Stangengebiss

Saffa mit einem Stangengebiss im Maul
Saffa mag das Stangengebiss auch ganz gern.

Das Stangengebiss wirkt komplett anders als die gebrochenen Gebissformen, die ich eben erklärt habe. Dadurch, dass es kein Gelenk in der Mitte gibt, wirkt auch dieses Gebiss auf beiden Seiten unterschiedlich, wenn an einem Zügel gezupft wird. 

Wird an einer Seite nach unten gezupft, schiebt sich die Stange auf der anderen Seite nach oben. Logisch, da sie ohne Gelenk nicht abknicken kann. Dabei wirkt die Stange auf der gegenüberliegenen Seite auf die oberen Laden und auf der Seite, auf der gezupft wird, auf die Zunge und die unteren Laden. Dadurch, dass die Wirkung so vielseitig ist, finde ich, gehört auch dieses Gebiss nicht in harte, unruhige Hände.
Saffa fand dieses Gebiss recht angenehm, da es nicht so viel Platz in seinem Maul braucht und ruhig liegt. Auch hier der Tipp mit den Gebissscheiben, falls sich dein Pferd gern die Maulwinkel am Gebissring einklemmt. 

Die Kandare

Ein Produktbild einer Reitkandare
Kandare mit Anzügen und Kinnkette

Die Kandare ist ein “Werkzeug”, das mit großer Vorsicht einzusetzen ist. Es gehört definitiv nicht in Anfängerhände. Die Kandare besteht aus einer Stange mit Zungenfreiheit, einer Kinnkette und Anzügen rechts und links. Zusätzlich zur Kandare wird eine sogenannte Unterlegtrense mit ins Maul gelegt. Die ist ähnlich wie eine Wassertrense, nur deutlich dünner. Das Pferd hat also zwei Gebisse im Maul und der Reiter muss mit 2 Zügelpaaren reiten. Die Unterlegtrense wird dabei zuerst ins Maul gegeben.

Dadurch, dass die Kandare die Schenkel hat und die Zügel dafür unten an den Schenkeln angebracht werden, hat die Kandare eine Hebelwirkung. Diese wirkt erstmal nur zusätzlich auf das Genick. Die Kinnkette übt, richtig verschnallt, zusätzlich Druck auf den Unterkiefer aus, wenn die Kandare vom Reiter angesprochen wird. 

Dadurch entstehen also Druckpunkte auf Genick, Unterkiefer, Zunge und Laden.
Die Unterlegtrense übt ebenso Druck auf Laden und Zunge aus, genau wie die Wassertrense. 

Wozu dient die Unterlegtrense?

Die Unterlegtrense wird genutzt, damit der Reiter nicht ständig auf der scharfen Kandare reiten muss. Durch ihr Eigengewicht zieht die Kandare dank der Schwerkraft sowieso schon nach unten und ist eben nur ein “Hilfsmittel”, um das Pferd feiner reiten zu können. Deswegen siehst du häufig Dressurreiter mit lockerem Kandarenzügel reiten, während der Zügel der Unterlegtrense in Anlehnung steht.

Ein Pferd mit einer Unterlegtrense und Kandare im Maul
Stute „Quintera“ einer Freundin mit Unterlegtrense und Kandare

Du siehst, die Kandare ist ganz schön kompliziert von der Wirkungsweise und auch ganz schön scharf, wenn sie in die falschen Hände gerät. Ich selbst bin ein einziges Mal auf Kandare geritten und habe davor echt Respekt. Saffa ist dafür sowieso noch viel zu jung und wer weiß, ob ich dieses “Werkzeug” überhaupt irgendwann einmal brauche. Bei Dressurprüfungen ist sie in Klasse S Pflicht (haha, davon träume ich noch 🙂 ). Wenn du noch mehr über die Kandare wissen möchtest, haben wir hier einen Beitrag, in dem meine Kollegin Alexandra das Wichtigste erklärt.

Das waren jetzt mal nur die gängigsten Gebissarten. Da gibt’s noch viel mehr, wie zum Beispiel die Baucherstange, das Pelham, die Springkandare, die D-Ring Trense, usw. Saffa und ich haben uns mit dem Olivenkopfgebiss recht gut eingegrooved. Ich denke, dabei wird es auch eine Weile bleiben. Die anderen Gebisse probiere ich ab und zu aus, um sicherzugehen, dass ihm das Olivenkopfgebiss immer noch am besten gefällt.

In einem vorigen Blogbeitrag haben wir dir auch diese Gebisse schon erklärt. Hier findest du auch noch einmal die anderen Gebisse, die ich dir schon vorgestellt habe.

Wenn du Fragen dazu hast, kannst du dich in einem unserer Pferdesporthäuser gern beraten lassen.

 

Vorherige Beiträge aus dieser Reihe

Teil 1: Saffas Weg vom Jungpferd zum Reitpferd
Teil 2: Kastration: Soll ich meinen Hengst legen lassen?
Teil 3: Worauf muss ich beim Jungpferd besonders achten?
Teil 4: Die Pferdeerziehung der das Pferde ABC
Teil 5: Putzen und anbinden – so lernen es junge Pferde richtig
Teil 6: Das Jungpferd vom Boden ausbilden

Sonja

Über Sonja

Pferdeverrückt war ich schon immer. Alles fing mit meiner zuerst überschaubaren Schleich-Pferde Sammlung an, die bald ein unüberschaubares Ausmaß annahm. Mit 8 Jahren durfte ich dann bei der örtlichen Jugendfarm mit dem Reiten anfangen. Die Zeit dort war und ist auch heute noch unvergesslich. Als ich dann aus den Ponys dort "rausgewachsen" bin, hatte ich meine erste Reitbeteiligung, auf die dann viele weitere folgten. Nach meinem Studium, Medieninformatik, fing ich an, als Entwicklerin bei Loesdau zu arbeiten und konnte mir so endlich das erste eigene Pferd leisten. Den Lipizzaner Wallach Saffa. Zu dem Zeitpunkt war er knappe 3 Jahre alt. Jetzt sind wir mitten in der Ausbildung und ich bin gespannt, wohin die Reise uns führen wird :)

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