Klassische Handarbeit Teil 4: das Erarbeiten der Piaffe

Die klassische Handarbeit ist eine sinnvolle Gymnastizierung für Pferde. Sie ist nicht nur eine gute Vorbereitung für neue Lektionen, sondern sorgt vor allen Dingen für Abwechslung und Spaß. Schritt für Schritt wollen wir euch den Weg bis zur Piaffe an der Hand zeigen. Viel Spaß mit Julia und Corday bei Teil 4: die Erarbeitung der Piaffe.

Piaffe: höchster Grad der Versammlung

„Die Piaffe (von frz. „piaffer“ = tänzeln, stampfen) ist eine trabartige Bewegung auf der Stelle oder mit geringem Raumgewinn, die den höchsten Grad der Versammlung aufweist. Das Pferd wird durch die Piaffe kurz und rund. Es trägt sein Gewicht mit der Hinterhand. Die Gelenke der Hinterhand beugen sich, der Rücken wölbt sich und dadurch hebt sich die Vorhand des Pferdes. Die Piaffe verlangt einen hohen Grad an Kraft und Balance. Das Pferd nähert sich mit den Hinterbeinen den Vorderbeinen an. Die Piaffe soll kein Endziel sein, sondern aus ihr lassen sich weitere Lektionen wie die Pesade, Levade oder Passage erarbeiten. Sie kräftigt und bemuskelt das Pferd wie keine andere Übung. Der Trab bekommt mehr Ausdruck und wird kadenzierter.

Voraussetzung fürs Anpiaffieren: Das Pferd motivieren

Die Voraussetzungen für ein harmonisches Anpiaffieren sind dem Pferd die Aufgabe verständlich zu machen und dem Pferd durch nicht anstrengende Anforderungen und deutliches Loben zu motivieren. Durch die vorbereitende Gymnastik für die Piaffe im  Blogbeitrag Klassische Handarbeit Teil 3 sind die Pferde nun physisch in der Lage die Piaffe auzuführen. In diesem Beitrag soll es nun um die konkrete Erarbeitung der Piaffe gehen. Wie Corday die Piaffe gelernt hat, verrate ich euch in diesem Beitrag.

Piaffe-Übung: Diagonalisieren

Wie im letzten Beitrag schon erläutert, ist das Diagonalisieren eine Vorbereitung für die Piaffe. Beim Diagonalisieren des Schritts wird das innere Hinterbein in den Takt des äußeren Vorderbeins eingetaktet. Nach und nach entstehen so diagonale Tritte  bei denen der Rückschub des inneren Hinterbeins immer mehr verkürzt wird. Tragkraft und Balance des Pferdes werden auf diese Weise effektiv trainiert.

Die Hinterhand aktivieren

Dafür müssen die Pferde gelernt haben auf Touchieren ihr inneres Hinterbein anzuheben. Dazu lasse ich Corday im versammelten Schritt gehen und versuche das innere Hinterbein auf das äußere Vorderbein einzutakten. Dadurch erhält man eine diagonale Fußfolge, welche aber noch den „Schwung“ vom Schritt hat. Bei dieser Übung müsst ihr besonders darauf achten, dass ihr den Fluss nach vorne nicht unterbindet. Wenn ihr zu früh beginnt, die Pferde auf die Stelle zu bringen, verliert ihr die Aktivität der Hinterhand. Die Hinterbeine würden dann sozusagen „auf dem Boden kleben“. Das Diagonalisieren erarbeite ich sehr gerne aus dem Rückwärts, da die Pferde im rückwärts eine diagonale Fußfolge schon haben. Ist also wie der Trab ein Zweitakt.  Außerdem setzt das Rückwärts die Pferde auf die Hinterhand. Aus dem Rückwärts lasse ich Corday  im versammelten Schritt angehen und beginne dann den Schritt zu diagonalisieren.

Nach dem Diagonalisieren: Anpiaffieren

Als das Diagonalisieren sicher funktionierte, habe ich begonnen, Corday aus dem rückwärts antraben zu lassen daraus wieder halten und rückwärts. Durch dieses Wechselspiel habe ich die Hinterhand aktiviert bekommen. Durch das Rückwärts hat sich Corday immer wieder schön gesetzt. Nachdem die Übergänge sicher und ohne stocken flüssig funktioniert haben, habe ich begonnen die Übergänge schneller auszuführen, d.h. nach dem Rückwärts ca. 3 bis 4 Tritte Trab danach wieder Halten und Rückwärts. Dies habe ich solange gemacht, bis ich das Gefühl hatte den Vorwärtsdrang und die Hankenbeugung kombinieren zu können. Dazu habe ich Corday traben lassen, ihn aber nicht mehr so stark nach vorne gelassen, so haben sich die ersten halben Tritte gezeigt.

Die ersten halben Tritte

Die halben Tritte sind eine wunderbare Vorübung für die Piaffe. Sie entsteht wenn die Pferde das Tempo im Trab zurücknehmen, sich mehr setzen und die Tritte verkürzen. Es entsteht also ein sehr versammelter Trab. Werden die halben Tritte immer stärker zurückgenommen, erhält man eine Piaffe. Wichtig beim Zurücknehmen ist, dass ihr die Pferde nur so weit aufnehmt, wie ihr sich sicher sein könnt, dass die Aktivität der Hinterhand nicht verloren geht und der Fleiß erhalten bleibt. Mit der Zeit gewinnen die Pferde immer mehr Kraft und das Verständnis für diese Übung. Dann lassen sich die halben Tritte immer weiter zurücknehmen bis eure Pferde die ersten Piaffe-Tritte geschafft haben.

In vielen kleinen Schritten zur Piaffe

Die Erarbeitung der Piaffe ist für die Pferde sehr kräftezehrend. Aus diesem Grund ist es unheimlich wichtig, in vielen kleinen Schritten zu arbeiten, um den Pferden die Freude an dieser Übung nicht zu nehmen. Die Piaffe soll die Pferde stolz und nicht lustlos machen. Bis die Pferde die Piaffe erlernen, dauert es einige Monate bis sogar Jahre. Bei der Piaffe ist mir besonders wichtig, dass sich Corday selber trägt und sich nicht auf der Hand stützt. Aus diesem Grund lasse ich ihn sehr gerne zur Kontrolle am Halsring piaffieren. Am Halsring kann man gut erkennen, dass sich die korrekte Kopf-Hals-Haltung nicht durch Zwang auf dem Gebiss ergibt, sondern das Ergebnis ehrlicher Versammlung ist.

 

Experten von Loesdau

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Die meisten Loesdau Mitarbeiter sind entweder selbst Pferdebesitzer oder Reiter, zumindest aber Pferdeliebhaber. Sie reiten Dressur oder Western, sind Springreiter oder Züchter, Pferdefotograf oder -physiotherapeut, Trainer oder Reitlehrer. Sie sammeln ständig Eindrücke in allen Belangen rund um ihre Vierbeiner und bilden sich auf ihrem Spezialgebiet ständig fort. Außerdem machen die Kolleginnen und Kollegen permanent neue, interessante Erfahrungen, treffen wiederum Spezialisten und wissen in Sachen Pferd definitiv Bescheid. So ist jeder auf seinem Gebiet ein echter Experte und immer up-to-date. Aktuell bedeutendes Wissen erhalten sie in Seminaren, Kursen oder Lehrgängen.
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Die meisten Loesdau Mitarbeiter sind entweder selbst Pferdebesitzer oder Reiter, zumindest aber Pferdeliebhaber. Sie reiten Dressur oder Western, sind Springreiter oder Züchter, Pferdefotograf oder -physiotherapeut, Trainer oder Reitlehrer. Sie sammeln ständig Eindrücke in allen Belangen rund um ihre Vierbeiner und bilden sich auf ihrem Spezialgebiet ständig fort. Außerdem machen die Kolleginnen und Kollegen permanent neue, interessante Erfahrungen, treffen wiederum Spezialisten und wissen in Sachen Pferd definitiv Bescheid. So ist jeder auf seinem Gebiet ein echter Experte und immer up-to-date. Aktuell bedeutendes Wissen erhalten sie in Seminaren, Kursen oder Lehrgängen.

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