Fahren: Training für alte Pferde

Auf der Suche nach Beschäftigung für mein älteres Kaltblut, stieß ich auf das Fahren als Training für alte Pferde. Mein Kaltblut Asterix ist inzwischen 22 Jahre alt und gehört damit zu den älteren Vertretern seiner Rasse. Über die letzten Jahre habe ich ihn fit gehalten, indem ich ihn regelmäßig unter dem Sattel gymnastiziert und natürlich auch viel mit ihm vom Boden gearbeitet habe. Das hat dazu beigetragen, dass er bis ins höhere Alter fit und beweglich war.

Wenn die Arbeit unter dem Sattel beschwerlicher wird

Doch in den vergangenen beiden Jahren musste ich mehr und mehr feststellen, dass ihm die Arbeit unter dem Sattel zwar Spaß macht, es ihm aber immer schwerer fällt. Durch Arthrose und Spat sowie diverse andere Verletzungen, die er sich zugezogen hat, ist sein Bewegungsapparat nicht mehr so agil, wie er es vor ein paar Jahren noch war. Er ist zwar nach wie vor eher überdurchschnittlich beweglich für ein Pferd seines Alters und seiner Rasse, aber als ich gemerkt hatte, dass es ihm schwerer fällt, stand ich vor einem Problem:

Nur noch Spaziergänge mit dem Pferd? No way!

Asterix ist kein Pferd, das damit zufrieden ist, wenn es aus der Arbeit genommen wird und nur noch Spaziergänge übrig bleiben – im Gegenteil: Er hasst es. Spazierengehen ist für ihn keine Arbeit und das zeigt er deutlich. Im Kopf ist er noch ein junges Pferd und will beschäftigt werden. Aber sein Körper macht das alles langsam nicht mehr so gut mit. Also musste ich eine alternative Beschäftigung für ihn finden, die ihn geistig auslastet und auch den Körper leicht beansprucht – so sehr, dass er es als Arbeit empfindet, er aber nicht so stark belastet wird wie beim Reiten.

Dressurarbeit war viele Jahre lang das, was Asterix am meisten Spaß bereitet hat.

Wir starten das „Projekt Fahrpferd“

Nach einigen Überlegungen und mit den Bedenken der Vorbesitzer im Kopf, dass Asterix sich wohl eher nicht als Fahrpferd eignen würde, habe ich mich dann trotzdem dafür entschlossen, ihn einzufahren. Mit den Jahren wurde er dann doch ruhiger und vernünftiger, als er es noch bei den Vorbesitzern war. Ich war mir eigentlich ziemlich sicher, dass das funktionieren würde. Also begann ich mit den Vorbereitungen fürs „Projekt Fahrpferd“.

Das Ziehen ist schonender als das Tragen

Etwas zu ziehen ist für den Bewegungsapparat von Pferden, speziell für Kaltblüter, schonender, als etwas zu tragen. Schließlich wurden sie genau dafür über Jahrhunderte hinweg gezüchtet. Trotzdem ist es natürlich anstrengender, als ein Spaziergang, und kann so auch die Muskulatur erhalten oder sogar noch aufbauen. Außerdem ist es eine „Aufgabe“ – also genau das, was Asterix braucht.

Etwas zu ziehen ist für ein Pferd schonender, als etwas zu tragen – dabei aber gleichzeitig eine gute Beschäftigung.

Die ersten Doings fürs Fahren

Zunächst einmal hatte ich selbst wenig Plan und auch kein Equipment. Ich bin zwar vor einigen Jahren ein paarmal in den Fahrunterricht gegangen, aber das war schon eine ganze Weile her. Mein erster Gang war also der Gang zum Fahrsportsattler – von ihm bekam Asterix ein Brustblattgeschirr angepasst. Dies dauerte mehrere Wochen, in denen ich sämtliche Literatur verschlungen habe, die mir zum Thema Fahren in die Finger kam. Parallel dazu informierte ich mich über verschiedene Kutschen und entschied mich zum Einfahren zunächst einmal für einen leichten Sulky.

Fahrabzeichen gemacht, denn Sicherheit geht vor

Bis der Sulky geliefert wurde, vergingen wieder einige Wochen, in denen ich mein Fahrabzeichen absolvierte – Sicherheit geht vor! Auch bei Asterix habe ich die Basics noch einmal aufgefrischt – für ihn gab es einige Wochen lang ein intensives Programm an Doppellonge und Langzügel. Sobald wir das Geschirr hatten haben wir uns außerdem im Fahren vom Boden geübt und angefangen, Paletten zu schleppen. Asterix hat eine sehr schnelle Auffassungsgabe und dementsprechend schnell hatte er verstanden, was seine Aufgabe war. Sobald er sicher im Schleppen war, härtete ich ihn dann etwas ab, was Geräusche anging. So musste er seine Palette auch mal im Trab über Schotterwege ziehen.

Pferd bei der Arbeit vom Boden
Auch heute noch fester Bestandteil in Asterix‘ Training: Die Arbeit vom Boden

Das erste Anspannen

Als der Sulky dann ankam und austariert war, ging es ans erste Anspannen – angespannt war auch ich. Wir führten Asterix dann zunächst ein Stückchen mit dem Sulky hintendran. Als das gut ging, setzte ich mich auf den Bock. Eine Begleitperson blieb aber noch bei Asterix, um im Notfall eingreifen zu können. Das war allerdings nicht nötig – Asterix machte durch die ganzen Vorbereitungen von Anfang an eine sehr gute Figur vor der Kutsche. Anfangs drehten wir nur ganz kurze Runden. Der Körper muss sich an die neue Belastung und den Druck an der Brust erst gewöhnen. Doch so nach und nach konnten wir unsere Runden ausdehnen und auch mehr bergauf und bergab dazu nehmen, was für das Pferd eine deutlich höhere Anstrengung bedeutet. Auch längere Strecken im Trab waren nach kurzer Gewöhnungszeit kein Problem mehr. Wobei wir hier immer aufpassen müssen, dass sich die Hufe nicht zu sehr abnutzen, da Asterix aufgrund seiner Haltung im Aktivstall barhuf bleiben muss.

Fahren verändert den Körperbau des Pferdes

Asterix hat sich durch das Fahren sehr verändert. Seine Hinterhand, die verletzungsbedingt eine Schwachstelle ist, hat ordentlich aufgemuskelt. Seine Vorhand steht deutlich breiter da. Durch die längeren Trabstrecken hat er wieder gut Kondition bekommen. Außerdem ist ihm anzumerken, wieviel Freude ihm sein neues Hobby bereitet. Geritten wird er immer noch ab und an – aber nicht mehr so oft wie früher. Wenn wir die Möglichkeit haben, spannen wir lieber an. Schließlich möchte ich, dass er noch viele weitere Jahre so fit bleibt wie jetzt.

Seit Asterix gefahren wird, ist seine Brust breiter geworden und er steht auch deutlich breiter.

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Thea

Über Thea

Schon als Kind hatte ich nichts anderes als Pferde im Kopf. Trotzdem musste ich einige Jahre betteln, bis meine Eltern mir die ersten Reitstunden erlaubten. Ab diesem Zeitpunkt war es restlos um mich geschehen. So oft ich konnte verbrachte ich meine Zeit im Stall. So wunderte es keinen, dass ich später eine Lehre zur Pferdewirtin machte. Mit 19 erfüllte ich mir meinen größten Traum und kaufte meine Reitbeteiligung, ein damals 12-jähriges rheinisch-deutsches Kaltblut. Asterix hatte noch keinerlei dressurmäßige Ausbildung genossen und ich bildete ihn selbstständig aus. Gehörten früher intensive Dressurarbeit, Ausritte, kleinere Sprünge und viel Bodenarbeit zu den Dingen, die Asterix und ich gerne gemacht haben, so stehen heute altersbedingt eher gemütliche Ausritte, Bodenarbeit und lockere Übungen auf dem Platz auf dem Programm, denn: wer rastet, rostet!

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