Das wichtigste Turnier des Islandpferdes: Landsmót 2016

Jedes Mal, wenn ich auf Island bin, bin ich von der Landschaft, den Menschen und natürlich den tollen Pferden begeistert. Island ist definitiv eine Reise wert. In diesem Sommer hatte ich ein zusätzliches, tolles Erlebnis auf meiner geliebten Insel: Dieses Jahr war ich das erste Mal beim Landsmót 2016 live dabei. Es ist das wichtigste Turnier des Islandpferdes, bei dem in verschiedenen Disziplinen das beste Pferd der Insel gekürt wird.

Der Austragungsort

Das Landsmót wird alle zwei Jahre an einem anderen Ort ausgetragen. Dieses Jahr war Hólar, das ganz im Norden der Insel liegt, an der Reihe. Das Turnier fand auf dem bekannten Universitätsgelände statt. An dieser Universität wird den Studierenden von der Pflege der Pferde bis hin zur kompletten Ausbildung alles gelehrt. Der Studiengang besteht sowohl aus theoretischen, als auch aus praktischen Teilen. Logisch, dass dies ein ganz besonderer Studiengang ist, der nicht nur bei den Isländern beliebt ist, auch viele Islandpferde-Infizierte aus allen Ländern versuchen, dort einen der begehrten Plätze zu bekommen.

Das Gelande des Landsmót.
Die Ovalbahn in Hólar.

Die Prüfungen beim Landsmót

Zurück zur eigentlichen Veranstaltung, dem Landsmót. Das Turnier besteht aus zwei wesentlichen Teilen: die Zuchtprüfungen und die Sportprüfungen. Bei den Zuchtprüfungen werden das Gebäude der Pferde, die Gangveranlagung, der Charakter und Gehwille und die Form unter dem Reiter beurteilt. Ziel ist es, ein korrekt gebautes Pferd mit viel Lauffreude, lockerem Takt, hochweiten Bewegungen in allen Gangarten und aufgeschlossenem Charakter zu züchten. Damit in den Zuchtprüfungen die älteren Pferde, den jüngeren gegenüber keine Vorteile haben, wird die Prüfung in 4 Klassen unterteilt:

  • 4 jährige Pferde
  • 5 jährige Pferde
  • 6 jährige Pferde
  • 7 jährige und ältere Pferde

Zudem werden Stuten und Hengste getrennt voneinander bewertet.

Die Sportprüfungen bestehen aus dem Gæðingakeppni A- und B-Flokkur, dem Passrennen, dem Speedpass und dem Töltpreis.

Das Gæðingakeppni ist eine spezielle Prüfungsform auf Island. Das A-Flokkur ist die Prüfung für fünfgängig veranlagte Pferde und das B-Flokkur für viergängig veranlagte. Im A-Flokkur werden in der Vorentscheidung nur die Gangarten Tölt, Trab und Rennpass geritten. Im B-Flokkur wird der langsame Tölt, Trab und der schnelle Tölt geritten. Zu den Noten für die jeweilige Gangqualität werden hier ähnlich wie bei den Zuchtprüfungen noch Noten für Charakter und Gehwille und die Form unter dem Reiter gegeben. Ziel dieser Prüfungen ist es, das beste Pferd zu finden. Es wird ein Qualitätspferd gesucht, das eine Freude ist, zu reiten und ein Vergnügen, es anzusehen. Diese Pferde nennen die Isländer Gæðingur. Deswegen werden bei diesen Prüfungen auch die Pferde vor den Reitern genannt. Es ist nicht der Reiter der die Prüfung gewinnt, sondern das Pferd. Diese Regelung bezieht sich auf die Klasse der Erwachsenen Reiter. In der Kinder-, Jugend-, und Juniorenklasse gewinnt der Reiter und nicht das Pferd. Das ist ein wesentlicher Unterschied. Des Weiteren gibt es in diesen Klassen keine Prüfung für fünfgängig veranlagte Pferde. In der Kinderklasse steht es den Teilnehmern frei, ob sie Tölt oder Trab zeigen, Galopp ist Pflicht.

Hauptaugenmerk liegt auf der harmonischen Vorstellung

In der Jugendklasse wird langsamer Tölt, Trab und eine schnelle Gangart (entweder schneller Tölt oder schneller Trab) verlangt und in der Juniorenklasse die gleichen Aufgaben wie im B-Flokkur der Erwachsenenklasse. Zudem gibt es in diesen drei Klassen nach jeder Gangart eine Note für Sitz und Einwirkung der Reiter. Auch hier wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, die Pferde so schön und harmonisch wie möglich vorzustellen. Das Passrennen wird über eine Strecke von 250 Metern, zu zweit, geradeaus geritten. Hierbei wird aus Startboxen gestartet. Das Pferd, welches die schnellste Zeit erreicht, gewinnt. Beim Speedpass wird der Rennpass über eine Distanz von 100 Metern einzeln geritten. Hier erfolgt ein fliegender Start. Es gewinnt der Reiter mit der schnellsten Zeit. Die letzte Prüfung auf dem Landsmót ist der Töltpreis. Hierbei reiten alle Reiter in der Vorentscheidung einzeln, drei verschiedene Aufgabenteile. Eine Runde langsames Tempo Tölt, eine Runde schnelles Tempo Tölt an den langen Seiten der Ovalbahn und langsames Tempo an den kurzen Seiten und anschließend eine Runde schnelles Tempo Tölt auf der ganzen Bahn. Hier bekommen die Reiter Noten für die Ausführungen der Aufgabenteile. Noten für Charakter und Gehwille und die Form unter dem Reiter werden hier nicht, wie beim Gæðingakeppni, gesondert vergeben.

Ein Islandpferd im Tölt.
Islandpferd im Tölt. (Foto: Claudia Meyer)

Mein Besuch auf dem Landsmót

So nun aber genug Theorie. Wie schon geschrieben, war ich dieses Jahr, das erste Mal auf dem Landsmót und bin komplett begeistert. Die unglaublich hohe Qualität der Pferde und das Fairplay der Reiter untereinander haben mich sehr positiv überrascht. Gerade im Passrennen, war das sehr beeindruckend. Hierbei starten immer zwei Reiter zusammen. Nach dem Start aus der Startbox müssen die Pferde innerhalb von 25 Metern in den Rennpass gelegt werden. Gelingt dies nicht, so ist der Lauf ungültig. Dies passiert auch den absoluten Profis, da die Pferde genau wissen, was von ihnen erwartet wird und oft dementsprechend heiß sind. Passiert das einem Reiter, so versucht er nicht auf Biegen und Brechen sein Pferd zu korrigieren. Vielmehr werden die Mitstreiter und deren Pferde angespornt: Im Galopp bleiben sie auf gleicher Höhe wie die anderen, um sie anzuheizen. Solche Bilder wünscht man sich sicherlich nicht nur im Islandpferdesport. Mir gefällt es, dass das Ursprungsland dieser tollen Pferderasse mit einem so schönen Beispiel vorangeht! Ein weiteres Highlight war das Finale im A-Flokkur. Dieses Jahr hat das erste Mal eine Frau mit ihrem Pferd diese Prüfung für sich entscheiden können. Korrekt gesagt, gewann der Rapphengst Hrannar frá Flugumýri II mit seiner Reiterin Eyrún Ýr Pálsdóttir.

Hrannar frá Flugumýri II mit seiner Reiterin Eyrún Ýr Pálsdóttir.
Hrannar frá Flugumýri II mit seiner Reiterin Eyrún Ýr Pálsdóttir. (Foto: Claudia Meyer)

Weiterhin war die Kinderklasse eine wirklich sehenswerte Prüfung. Auch hier kommt es darauf an, die Pferde bestmöglich zu präsentieren. Die Kinder in dieser Klasse sind zwischen 10 und 13 Jahren alt und reiten „als gäbe es kein Morgen“, allerdings nicht zum Nachteil der Pferde! Unglaublich wie viel Spaß sowohl die Kinder als auch die Pferde in dieser Disziplin haben.

Alles in allem kann ich nur sagen, 2018 auf dem nächsten Landsmót in der Hauptstadt Reykjavik bin ich auf jeden Fall wieder dabei! So viel Liebe, Fairness, Ehrfurcht und Achtung dem Pferd gegenüber, habe ich noch auf keinem anderen Turnier, egal in welcher Pferdesportdisziplin erlebt.

Vielleicht sehen wir uns ja 2018 in Reykjavik? Ich bin auf jeden Fall dabei!

Lara

Seit 2015 arbeite ich bei Loesdau und kann meine Liebe zum Pferd dort auch in mein Arbeitsleben integrieren. In der Abteilung E-Commerce bin ich für den Bereich Produktdatenmanagement zuständig. Dabei dreht sich meine tägliche Arbeit um alle Informationen bezüglich unserer Produkte.

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Über Lara

Erfahrung / Motivation: Mit 9 Jahren bekam ich meine erste Reitstunde auf einem Islandpferd und gleich stand für mich fest: einmal Islandpferde, immer Islandpferde. Der Traum vom eigenen Islandpferd wurde mit 15 Jahren endlich wahr. Der damals fünfjährige Islandwallach Glaumur von Philippstein begleitet mich jetzt seit 15 Jahren. Mit ihm habe ich meine größten Erfolge im Sport bis hin zu den Deutschen Jugendmeisterschaften der Islandpferde erritten. Im Mai 2013 kam die knapp 2-jährige Islandstute Helena frá þjóðólfshaga 1 dazu. Helena kommt direkt aus Island, wurde im November 2015 tragend importiert und brachte im Mai 2016 ihr erstes Fohlen zur Welt. Sobald Helena von ihrem Fohlen abgesetzt wird, beginnt für sie der Ernst des Lebens. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich als Reitpferd entwickelt. Ich freue mich jetzt schon riesig darauf, sie auszubilden und viele tolle Erlebnisse mit ihr zu teilen.

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