Zum Wohle der Mustangs: das Mustang Makeover

Die dritte Auflage des Mustang Makeover, das auf dem Gelände der CHIO in Aachen vom 23. bis 25.08.2019 veranstaltet wird, ist in Planung. Uns hat interessiert, wie es zu dem Event kam. Silke Strussione, die zusammen mit ihrem Mann das Mustang Makeover ins Leben rief, erzählt euch im Interview von ihrer großen Leidenschaft – den American Mustangs – und ihrem Bedürfnis, den Mustangs eine Stimme zu verleihen:  

Wie kamen Sie auf die Idee, das Mustang Makeover ins Leben zu rufen?

Ein Bericht in einer Reiterzeitschrift machte uns vor Jahren auf ganz besondere Pferde und deren Situation aufmerksam: die American Mustangs. Nie im Leben hätten wir gedacht, dass es möglich ist, so einem Pferd ein Zuhause zu geben.

100 Tage verbringen die Trainer und American Mustangs zusammen. Sie werden ausgebildet und bauen gegenseitig viel Vertrauen auf.

Nie im Leben hätten wir gedacht, dass das Leben in Freiheit gar nicht so friedlich ist, dass der Schein trügt. Ab dem Moment wussten wir, dass wir einem dieser Legenden Amerikas ein Zuhause geben wollten. Wir erhielten den Kontakt zu sehr erfahrenen Trainern in Oregon/USA, die seit über 35 Jahren Mustangs aus der Auffangstation nehmen, sie trainieren und für sie ein Zuhause suchen. Das machte uns neugierig und wir baten die Trainer, in die Auffangstation zu fahren und Fotos von Mustangs für uns zu machen. Wir bekamen ein Foto von einem zehn Monate alten Hengstfohlen, mit einem unglaublichen Ausdruck. Sofort war klar: So sollte er sein. Dieser Blick verriet alles, was den Mustang ausmacht.

Haben Sie sich gleich für den Mustang entschieden?

Nicht gleich. Wir schoben das Bild gedanklich erst einmal beiseite und ließen die Trainer weitersuchen – zwei ganze Tage lang. Aber kein anderes Pferd berührte uns so tief im Herzen wie er. Es war, als hätte er uns ausgesucht.

Am Ende der 100 gemeinsamen Tage steht das Mustang Makeover, auf dem die American Mustangs versteigert werden.

Am Ende entschieden wir uns genau für diesen jungen, schwarzen Mustang mit den drei weißen Beinen aus der Herde Jackies Butte/Oregon – sein Name Blackjack war schnell gewählt.

Wann kam Blackjack dann zu Ihnen?

Blackjack ist über ein Jahr später, nach seinem Adoptionsjahr, bei uns in Hessen vom Hänger gestiegen. Zu dieser Zeit war er gute zwei Jahre alt. Ein Blick und wir wussten, dass wir etwas Entscheidendes richtiggemacht hatten.

Die Trainer trennen sich schweren Herzens von ihren Schützlingen. Viele behalten sie.

Zu diesem Zeitpunkt wussten wir jedoch noch nicht, wie dieser Hengst unser ganzes Leben und das von über 120 Mustangs, Stand heute, verändern sollte.

Und was gab dann letztlich den entscheidenden Impuls für das Mustang Makeover?

Die Mustangs hatten uns vom ersten Tag, den wir mit Blackjack erleben durften, nicht mehr losgelassen. Ein gutes Jahr später keimte die Idee, mehr für die Mustangs tun zu wollen. Was Blackjack uns im täglichen Umgang zeigte, hatten wir so noch nie erlebt. Dieses Vertrauen, dieses „Anschluss suchen“, kannten wir so nicht. Wir begannen auf Messen zu fahren und unsere mittlerweile zwei Mustangs vorzustellen. Immer mit dem Hintergedanken, weitere Mustangs in ein gutes Zuhause zu vermitteln, wurde uns bald bewusst, dass wir noch mehr Aufmerksamkeit auf die wilden Pferde Amerikas lenken mussten, um etwas zu verändern.

Völlige Entspannung und Harmonie zwischen Trainer und Mustang sind wichtige Bewertungskriterien.

Diese erreichten wir erst mit einem weiteren Schritt, mit dem sicherlich niemand gerechnet hätte. Wir beschlossen im August 2016 den Mustangs eine Stimme zu geben, eine Stimme die ihnen gerecht würde und die jeder hören musste. Ideen wurden geschmiedet, Präsentationen erstellt und mit viel Enthusiasmus flogen wir im September 2016 in die USA, reisten in sechs Tagen durch vier Zeitzonen und trafen die wichtigsten Personen vom Bureau of Land Management BLM und der Mustang Heritage Foundation.

„Wir wollten das Extreme Mustang Makeover nach Europa holen, wir wollten die Grenzen öffnen und allen zeigen, wie besonders diese Pferde sind.“ Jetzt gab es kein Zurück mehr. Wir suchten ein engagiertes Team zusammen, Menschen die genauso verrückt sind wie wir. Der Rest ist ja bekannt.

Was erwartet mich beim Mustang Makeover?

Nach harmonischen Grundsätzen, gepaart mit Vertrauen und Fair Play, treten die Mustang-Trainer-Teams auf dem Event an, um diese besonderen Pferde zu präsentieren. Unser Vorbild war das amerikanische Extreme Mustang Makeover.

Die Trainer lassen sich einiges einfallen, um ihre entstandene Bindung zum Mustang zu zeigen.

2019 werden 15 herausragende europäische Trainer diese einzigartigen und wundervollen Pferde nach 100 Tagen Training auf dem CHIO Gelände in Aachen vorstellen und im atemberaubenden Finale zeigen, wie flexibel, intelligent und anpassungsfähig die von der Natur geprägten Mustangs sind. Danach werden sie versteigert.

Wurden 2018 wieder Mustangs direkt auf dem Event vermittelt?

Ja, 15 der teilnehmenden Mustangs aus der Trainer Challenge wurden versteigert, die zuvor aus Auffangstationen in Oregon befreit wurden. Wie bereits 2017, haben auch 2018 wieder vier Trainer ihren Mustang behalten – sie konnten dieses Mal ein Vorkaufsrecht ausüben.

Was ist für Sie das Besondere an Mustangs?

Das Besondere am Mustang ist zum einen, seine natürliche Selektion, denn nicht der Mensch hat diese Pferde „produziert“, sondern Mutter Natur.

Den American Mustangs eine Stimme zu geben und einige von ihnen zu vermitteln, sind Ziele des Mustang Makeover.

Sie sind durch das Leben, weit ab von menschlichem Einfluss selektiert, geprägt und sozialisiert. Es gibt zudem kaum ein Pferd, welches den Menschen/Trainer besser spiegeln kann als der Mustang. Zum anderen sind es genau diese wilden Pferde, die sich dem Menschen auf vertrauensvolle, fast magische Weise anschließen.  Es ist schon etwas Besonderes, ein erstes Mal einen Mustang zu berühren. Diese Erfahrung haben auch bereits 37 deutsche Trainer gesammelt, nachdem der Mustang sie tief im Inneren ihrer Herzen berührt hat

Sie haben bereits mehrere Mustangs? 

Wer einmal einen Mustang besitzt, der wird abhängig. Neben einem Quarterhorse und einer Westfalenstute beheimaten wir aktuell acht Mustangs. Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit und Freude, diese besonderen Pferde ‚in unsere Familie‘ aufgenommen zu haben.

Beschreiben Sie bitte kurz, was das Mustang Makeover ist?

Wir verstehen das Mustang Makeover als Pro Pferd Projekt, das Reiter aller Disziplinen erreicht und Wissen transportiert. Das Mustang Makeover ist ein Herzensprojekt. Es wurde ins Leben gerufen, um auf die Situation der Mustangs aufmerksam und diese Pferde bekannter zu machen. Mit dem Makeover und der Kampagne möchten wir aber auch Wissen transportieren. Wertvolles Wissen rund um Training, Umgang, Gesundheit, Ernährung, Equipment – eben alles was zum Pferd gehört. Auf eine besondere Weise möchten wir auch jungen, begabten Trainern die Möglichkeit bieten ihre Arbeit vorzustellen und bekannter zu werden. Und natürlich ein paar Mustangs ein neues Zuhause vermitteln.

Wo sehen Sie das Mustang Makeover in fünf Jahren?

Nach nur zwei Jahren hat das Event eine hohe Aufmerksamkeit generiert, europaweit. Erstmals 2019 werden etwa fünf der 15 Trainer aus anderen europäischen Ländern kommen und die Idee in ihr Land tragen. Wir möchten das Mustang Makeover zu einem wichtigen Event für Pferdefreunde in Europa ausbauen und Menschen begeistern, berühren, zum Nachdenken anregen – Wissen vermitteln.

Bis zum nächsten Jahr – beim Mustang Makeover!

Fotos: Nina D. Fotografie, Equus Fotografie, Victoria Hücker und Sylvia Hengelein.

 

Christine

Christine

Meine Leidenschaften Schreiben und Pferde bekomme ich bei Loesdau perfekt unter einen Hut. Seit November 2011 sind Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne und externe Kommunikation sowie die Sozialen Medien meine beruflichen „Spielfelder“.
Christine

Über Christine

Erfahrung/Motivation: Nach einer sehr langen Reitpause begann ich im April 2012 wieder zu reiten. Eine schöne Schwarzwälder Fuchs Stute namens Jeany freute sich genauso wie ich über unsere langen und erholsamen Ausritte durch den Wald. Das Besondere an unserer Verbindung ist und bleibt, dass Jeany es schaffte, mich sehr schnell wieder komplett für Pferde zu begeistern. Zwar gelingt es mir momentan aus beruflichen und familiären Gründen nur ein bis zweimal in der Woche bei den Vierbeinern, die mir so viel geben, zu sein, den Stall zu machen und zu reiten. Aber diese Auszeiten müssen sein! Jeanys Stallgenossen sind wunderschöne Tersker, von denen ich momentan Nadja reiten darf. Wir sind ein relativ neues Team und gewöhnen uns noch im Dressurviereck und im Gelände aneinander – allerdings mit allerbesten Fortschritten!

Ein Kommentar zu “Zum Wohle der Mustangs: das Mustang Makeover

  1. Sandra Kratzl

    Ich hab hier grad mein Pferd gesehen 😀 ist ja lustig. Der Palomino Mustang (zweites Bild) ist Golden Spirit. Falls einer Interesse hat Spirit bzw. Uns zu verfolgen, findet uns bei Instagram unter mustang_golden_spirit. Vielleicht bis bald. Grüße Sandra mit Spirit

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