Uta Gräf über das „Pferde motivieren“

Das offene Training bei Uta Gräf ist immer schnell ausgebucht, vor allem beim Thema „Pferde motivieren“. Loesdau Blog-Redakteurin Christine hatte Gelegenheit, mit Uta Gräf direkt nach dem offenen Training am 15. und 16. Oktober auf Gut Rothenkircherhof zu sprechen und ihr gleich ein paar Fragen gestellt:

Wir haben heute beim offenen Training sehen können, wie gerne die Pferde unter dem Sattel mit Ihnen und Ihrem Team mitarbeiten. Was ist Ihr „Geheimnis“ beim Pferde motivieren?

Uta Gräf: Wir haben kein Geheimnis, deshalb hatten wir auch die Idee, unsere Türen zu öffnen und zu einem offenen Trainingstag einzuladen. Man kann, glaube ich, schon auf den ersten Blick erkennen: wir haben große Weiden und die Pferde haben genügend Auslauf und Sozialkontakt. Sie leben einfach ein zufriedenes Pferdeleben und haben dann auch Lust, sich mit uns sportlich zu betätigen.

Uta Gräf freit sich über motivierte Pferde.
Uta Gräf und ihr Mann freuen sich über motivierte Pferde.

Das ist nachvollziehbar. Auch die Boxen sind größer als normal und die Pferde können den ganzen Tag Heu fressen. Auffallend ist aber auch die stressfreie Stallatmosphäre.

Uta Gräf: Ja, darauf legen mein Mann und ich sehr viel Wert. Wenn´s mal schnell gehen muss, darf man ruhig mal zur Weide laufen. Aber am Pferd ist immer Ruhe angesagt. Es dauert halt so lange wie es dauert; das gilt übrigens auch für die Ausbildung der Pferde.

Gutes Stichwort: die Ausbildung. Ausbilder setzen sich doch oft selbst unter Druck, um Turniererfolge zu erzielen?

Uta Gräf: Natürlich sind wir Turniersportler und freuen uns über die Erfolge unserer Pferde. Aber: Es gibt bei uns keine Ziele wie etwa „mit 10 Jahren Grand-Prix reif“. Wir arbeiten die Pferde und schauen, wie weit wir kommen. Immer so, wie es die Entwicklung und die Leistungsfähigkeit der Pferde erlaubt. Das ist der wichtigste Baustein dafür, die Pferde nicht zu demotivieren. Denn motiviert sind sie meist von selbst.

Uta Gräf und ihre Pferde hatten schon viele Turniererfolge. Doch unter Druck setzen lässt sie weder sich noch ihre Vierbeiner.
Uta Gräf und ihre Pferde hatten schon viele Turniererfolge. Doch unter Druck setzen lässt sie weder sich noch ihre Vierbeiner. Ihr Motto: „keine Überforderung.“

Was genau motiviert denn die Pferde bei der Ausbildung?

Uta Gräf: Da ist es nicht anders als bei Menschen im Büro: keine Überforderung, Lob, gemeinsamer Spaß an der Arbeit, Umgang auf Augenhöhe ohne Unterwerfung, Work-Life-Balance, sind Stichworte, die von Manager-Coaches zu hören sind. Für Pferde gilt das Gleiche.

Und ganz praktisch? Wie gestalten Sie eine Ausbildungseinheit, bei der es besonders gut gelingt Pferde zu motivieren?

Uta Gräf: Für jedes Pferd gibt es eine individuelle Strategie, wie wir die Ausbildung angehen und welche Schwerpunkte wir setzen. Innerhalb dieser Gesamtstrategie schaue ich jeden Tag, wie das Pferd drauf ist und überlege mir dann das passende Trainingsprogramm. Was das ist, ist höchst individuell: den einen motivieren schnelle Folgen von kurzen Reprisen mit viel Abwechslung, den anderen würde ich damit vielleicht überfordern. Aber in der Tendenz tut Abwechslung vielen Pferden mental gut. Dazu gehört auch ein Ritt über die Wiese oder im Gelände. Mein Mantra ist außerdem immer: Dem Pferd ein gutes Gefühl geben, wenn es etwas gut macht. Und vor allem nicht gleich das nächste fordern, wenn ich ein Ziel erreicht habe.

Pferden ein gutes Gefühl geben, um sie zu motivieren, ist Uta Gräfs Tipp.
Pferden ein gutes Gefühl geben, um sie zu motivieren, ist Uta Gräfs Tipp.

Wie machen Sie das, dem Pferd ein gutes Gefühl zu geben?

Uta Gräf: Ich nehme die Hilfen zurück, sitze entspannt und locker, mit leichter Anlehnung und genieße erstmal den Moment. Eingreifen tue ich erst wieder, wenn es wieder schlechter wird. Das mache ich ganz bewusst und sage es auch manchmal mir und dem Pferd: „Jetzt ist es gut, jetzt gebe ich dir ein gutes Gefühl“. Dieser Moment des Genießens ist ganz wichtig, um nicht gleich das Nächste zu fordern.

Ein ganz anderes Thema: Zusammen mit Ihrer Co-Autorin der Bücher und Filme unterstützen sie deren Initiative „Reiter für Afrika“. Was genau können wir als Reiter tun?

Uta Gräf: Friederike Heidenhof ist seit vielen Jahren in Afrika aktiv. Wir unterstützen dort Projekte für Kinder, in denen es im Wesentlichen um Bildung und Gesundheit geht. Wir tun alles, damit Menschen nicht zu Flüchtlingen werden müssen, sondern in ihrer Heimat eine Chance auf ein selbständiges Leben haben. Friederikes Verein „Partnerschaft für Afrika“ arbeitet so, dass zwei Sponsoren die Verwaltungskosten komplett übernehmen, so dass jeder Euro bei den Kindern ankommt. Das unterstütze ich gerne nach Kräften und vielleicht motiviert das ja den ein oder anderen Leser, auch mitzumachen!

Uta Gräf und Friederike Heidenfeld
Uta Gräf und Friederike Heidenfeld „tun alles, damit Menschen nicht zu Flüchtlingen werden müssen, sondern in ihrer Heimat eine Chance auf ein selbstständiges Leben haben.“

Das hoffen wir auch, denn auch das Pferdesporthaus Loesdau unterstützt die Initiative „Reiter für Afrika“! Vielen Dank, Frau Gräf, für den tollen Tag und das informative Gespräch!

Uta Gräf: Ihnen auch vielen Dank für Ihr Interesse!

 

 

 

 

Christine

Meine Leidenschaften Schreiben und Pferde bekomme ich bei Loesdau perfekt unter einen Hut. Seit November 2011 sind Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne und externe Kommunikation sowie die Sozialen Medien meine beruflichen „Spielfelder“.

Über Christine

Erfahrung/Motivation: Nach einer sehr langen Reitpause begann ich im April 2012 wieder zu reiten. Eine schöne Schwarzwälder Fuchs Stute namens Jeany freute sich genauso wie ich über unsere langen und erholsamen Ausritte durch den Wald. Das Besondere an unserer Verbindung ist und bleibt, dass Jeany es schaffte, mich sehr schnell wieder komplett für Pferde zu begeistern. Zwar gelingt es mir momentan aus beruflichen und familiären Gründen nur ein bis zweimal in der Woche bei den Vierbeinern, die mir so viel geben, zu sein, den Stall zu machen und zu reiten. Aber diese Auszeiten müssen sein! Jeanys Stallgenossen sind wunderschöne Tersker, von denen ich momentan Nadja reiten darf. Wir sind ein relativ neues Team und gewöhnen uns noch im Dressurviereck und im Gelände aneinander – allerdings mit allerbesten Fortschritten!

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