Unsere Hengste bei der Körung

Eine spannende Geschichte rund um die Körung zweier Hengste erlebte Anna, eine Freundin des Loesdau Teams, in Großbritannien. Wir finden, es ist eine schöne Urlaubslektüre! Viel Spaß beim Lesen.

„Das erste Mal auf einer Hengst- und Stutkörung kann sehr spannend sein. Umso spannender allerdings ist es, dabei auch einen Hengst vorzustellen. Ich lebe in Irland auf einem kleinen privaten Gestüt, das Morgan Horses züchtet und wir erfuhren von einer Hengstkörung für das Zuchtbuch der Englischen Sport Pony Society (kurz SPSS) die in Wales stattfand. Über ganz Großbritannien verteilt würde für acht Tage ein deutscher Prüfer mit dem SPSS-Team herumreisen und Sport Ponys kören.

Ab nach Wales mit zwei Hengsten

Für Hengste in Großbritannien gilt die Regel, dass sie, sobald sie an öffentlichen Turnieren teilnehmen, innerhalb eines Jahres gekört werden müssen. Schnell stand für meine Chefin Anne und mich fest, dass wir nach Wales mit zwei unserer Hengste reisen würden, um sie dieser Prüfung zu unterziehen. Einer davon war Expat’s Regimental Colors, kurz genannt Reggie, unser 11-jähriger und ältester Hengst sowie sein Enkel, Expat’s Guardian of Seas, der mit seinen zarten vier Jahren seine Laufbahn erst begann.

Frau hält Pferd an der Hand
Gleich mit zwei Hengsten wollten wir aufbrechen nach Wales zu einer Körung.

Der Stall, an dem die Körung stattfinden sollte und an dem uns zwei Boxen für unsere Hengste zugesichert wurden, lag in Hollyhead. Mit der Fähre machten wir uns also auf die Reise von Dublin auf die Halbinsel Hollyhead in Wales. Anne und ich starteten bereits früh morgens. Die Pferde sollten mit einem Transportunternehmen, das uns einen unschlagbaren Preis für das Übersetzen anbot, nachkommen und gegen Mitternacht am Stall ankommen.

Wenn einer eine Reise tut…

Wir fuhren gegen sechs Uhr morgens los, um die Fähre gegen acht Uhr in Dublin zu erwischen, da aufgrund starken Windes die beiden Schnellboote gestrichen wurden. Übermüdet und mit einer Stunde Verspätung starteten wir endlich die dreistündige Überfahrt nach Wales und kamen gegen Mittag dort an. Wir machten uns auf den Weg zum Stall, der keine halbe Stunde Fahrzeit entfernt lag – noch ohne zu wissen, was uns auf dieser Reise alles passieren sollte.
Etwas verwirrt über die unaussprechlichen, walisischen Städtenamen und guter Laune folgten wir dem Navi zu dem Stall. Dort angekommen wurden wir unsicher, ob uns Google Maps denn auch an die richtige Adresse gebracht hatte. Wir fanden uns auf einem heruntergekommenen, alten Bauernhof wieder. Vier Pferde standen in einer Boxenreihe, die Stalltüren wurden mit Heubändern zusammengehalten, die Stallfenster hingen lose hinunter. Pferdedecken lagen überall im Dreck herum. Es war keine Person weit und breit zu sehen.

Und was nun?

Verwirrt stiegen wir aus und liefen zu einer Halle, deren Tor etwas offenstand. Dort fanden wir eine junge Frau, die Boxen ausmistete. Auf die Frage, ob hier die Hengstkörung in zwei Tagen stattfinden würde, konnte sie nur die Schulter zucken. Wir sollten doch den Hofbesitzer fragen.

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Hoffentlich würden wir eine gute Unterkunft für unsere Hengste finden.

Ich persönlich war froh, diesen überdachten Stall wieder zu verlassen. Die Stallgasse war so eng, dass sich die Pferde durch die Gasse mit den Nasen berühren konnten, Dreck und Ratten hatten sich ein zu Hause gemacht und ich war ziemlich erschrocken über den generellen Zerfall dieses Stalles. Wir suchten den Hofbesitzer und wurden erst nach einer Weile fündig. Der in die Jahre gekommene Landwirt, der uns zwei Ställe zugesichert hatte meinte, wir könnten uns jegliche Box aussuchen. Er machte jedoch keine Anstalten mit uns in den Stall zu gehen. Wir sollten uns dabei an die junge Frau wenden.
Zurück im Stall, erklärte uns die Frau, dass sie hier überhaupt nicht arbeiten und auch bald wieder nach Hause aufbrechen würde. Etwas ratlos sahen Anne und ich uns an. Danach begannen wir, uns die Anlage etwas genauer anzusehen. Mit dem Stalltrakt verbunden, gab es zwei Reithallen, eine kleinere und eine größere, in der erstaunlich gute Sprünge zur Verfügung standen. Doch auf der Suche nach zwei Boxen, die für Hengste geeignet und nicht beim ersten Wälzen in sich zusammenbrechen würden, wurden wir nicht fündig.

Dringend gesucht: Wohngelegenheit für zwei Hengste

Wir stiegen schnell wieder ins Auto ein. Der erste Anruf ging an das Zuchtbuch, ob sie diesen Stall denn überhaupt schon einmal für eine Hengstkörung gebucht hätten. Die nette Dame erklärte uns, dass sie noch nie zuvor dort gewesen wären, es aber von einer Pferdebesitzerin, die ebenfalls an der Körung mit ihren Stuten teilnehmen wollte, wärmstens empfohlen wurde.
Der nächste Anruf ging an eine Morgan Züchterin, die ebenfalls auf der Halbinsel lebte, in der Hoffnung, dass sie einen Platz für uns hatte oder wenigstens jemanden wusste. Bei ihr hatten wir Glück und bekamen eine Telefonnummer einer befreundeten Stallbesitzerin. Diese war sich nicht sofort sicher, ob sie Platz für zwei Hengste haben würde, versprach uns aber alles Mögliche zu versuchen und lud uns kurzerhand ein, ihren Stall zu besichtigen und uns selbst ein Bild zu machen.
Wir fuhren also zu dem Stall, der keine fünf Minuten Fahrzeit von dem vorherigen entfernt lag und atmeten erleichtert auf. Die Boxen waren im Viereck angelegt, so dass keinerlei Berührung mit anderen Pferden möglich war und unsere beiden Jungs Platz zwischen Wallachen finden würden. Glücklich, das eine Problem losgeworden zu sein, kam das nächste geradewegs auf uns zu.

Wo bleiben die Hengste?

Der LKW, der unsere Pferde hätte abholen sollen, hatte einen Unfall. Statt Mitternacht sollten die beiden Pferde erst am nächsten Morgen ankommen. Die Stallbesitzerin bekam das mit und bot uns an, in ihrem „Cottage“, einer „Hütte“, die sie an Urlauber vermietete, zu bleiben. Wir sagten das Bed & Breakfast ab und kamen in einer riesigen, renovierten Hütte unter, die Küche, Wohnzimmer mit Fernseher und Kamin, drei Schlafzimmer und ein Bad mit Badewanne bereithielt. Glücklich darüber, dass wir wie daheim direkt am Stall bleiben konnten, machten wir es uns gemütlich, um auf die Pferde zu warten. Von zu Hause kam jedoch die Nachricht, dass noch immer kein LKW die Pferde für die zwei Uhr Fähre abgeholt hatte. Bis jetzt hatte die Spedition das LKW Problem noch nicht lösen können, versprach uns aber, dass unsere Jungs gegen drei Uhr nachmittags in Wales ankommen würden. Es wurde dann allerdings acht Uhr abends, bis wir die Hengste, im strömenden Regen, aus dem Transporter holten und in ihre Boxen bringen konnten.

Pferd im Freilauf in der Halle
Endlich hatten es auch die Hengst geschafft und kamen wohlbehalten in Wales an. Am nächsten Tag gewöhnten wir sie an die neue Umgebung.

Was für zwei Tage. Dazu kam, dass die Hallen auf dem ersten Hof überbucht waren. Durch viele Bemühungen durch verschiedene Pferdebesitzer wurde kurzerhand entschieden, die Körung am nächsten Tag an dem Stall zu veranstalten, an dem wir unsere Jungs stehen hatten. Das Problem, wie wir zu der Körung ohne Transporter kommen sollten, war nun also gelöst.

Der Tag der Körung

Durch die ganzen Verzögerungen war der Mittwoch, Tag der Körung, sehr stressig. Anstatt ganz entspannt am Vortag das Einflechten zu üben, blieben uns nun nur wenige Stunden zur Verfügung. Unsere Reiterin wurde am Morgen vom Bahnhof geholt, während ich den Junghengst longierte und an die ungewohnte Halle gewöhnte. Reggie wurde von unserer Reiterin geritten, während ich Guardians Mähne in kleine Zöpfe unterteilte und mit dem Flechten begann. Im Gegensatz zu Reggie genießt Guardian den Beauty Shop immer ausgiebig und war glücklich über das Schweifspray, das ausgiebige Bürsten und dem „Show Shine“. Dazu kam Huflack zum Einsatz und die ganze Prozedur wurde mit Reggie wiederholt. Viel zu schnell verstrich die Zeit und mit einem Mal realisierten wir, dass der Prüfer und das Team von SPSS die Halle vorbereitet hatten und es mit der Prüfung an der Hand losgehen konnte. Für Hengste wird ein makelloses Benehmen gefordert. Der Hengst wird erst an der Hand in Schritt und Trab vorgestellt. Danach wird das Exterieur begutachtet. Wichtig dabei ist, dass der Prüfer alle vier Hufe sehen kann und der Kopf des Pferdes gerade nach vorne gerichtet ist. Reggie machte seinen Job grandios, zusammen mit Anne.

Begutachtung der Hengste im Freilauf

Nach der Begutachtung wird der Hengst im Freilauf, in Trab und Galopp vorgestellt, bevor es an das Freispringen geht. Dabei wurde uns erlaubt, die Sprünge zwischen drei und vier Mal zu erhöhen. Für Sport Ponys wird ein Maß von etwa einem Meter gefordert. Für Reggie kein Problem. Zu Hause springt er 1,20 m ohne Schwierigkeiten auch mit Reiter. Beim Freispringen wird auch die korrekte Technik des Springens beurteilt.
Als Reggie seine Sache gut gemacht hatte lief er zufrieden auf Anne zu und ließ sich problemlos einfangen.

Frau mit Pferd an der Hand.
Gutes Benehmen sicherte den Hengsten viele wertvolle Punkte.

Dies sicherte ihm gute Punkte im Benehmen.
Zwischen dem Benehmen, Schritt, Trab, Galopp, Exterieur und Freispringen muss ein Hengst mindestens 75 Punkte erzielen, um es in das Zuchtbuch zu schaffen. Wir hatten ein wenig Zeit, bis ich mit Guardian an der Reihe war, ihn an der Hand vorzustellen. Ich hatte so etwas noch nie zuvor in meinem Leben gemacht und war sichtlich nervös. Guardian, dessen Temperament eher zur Schüchternheit neigt, hielt sich dicht an mir und ich musste mich zusammenreißen, um ihm die nötige Sicherheit zu bieten.
Der Prüfer lächelte mir aufmunternd zu. Er hatte keine Ahnung, dass ich selbst deutscher Herkunft war und gab mir genaue Anweisungen, was zu tun war. Ich führte Guardian etwa zwei Mal um das Dreieck herum, in dessen Mitte die beiden Prüfer standen. Es wird im Uhrzeigersinn geführt, um auf der Außenseite des Pferdes zu laufen und der Prüfer freie Sicht auf das Pferd hat. Nach den Schrittrunden mussten wir stillstehen, um das erste Mal das Exterieur begutachten zu lassen. Guardian war so nervös, dass er zu scharren begann. Ich flüsterte ihm gut zu. Der Prüfer ließ uns einige Runden Traben, ehe wir erneut stillstehen mussten.

Der Hengst verhält sich tadellos

Beide Richter fragten verblüfft nach, ob es sich wirklich um einen erst vier Jahre alten Hengst handelte. Guardian ist von Natur aus sehr muskulös gebaut und sieht daher um einiges älter aus. Zudem verhält er sich tadellos, sogar bei so einem Event, das er zuvor noch nie mitgemacht hatte. Für ihn war es praktisch die Feuerprobe.
Nach kurzer Beratung zwischen den beiden Prüfern durfte Guardian seinen mächtigen Trab und kraftvollen Galopp im Freilauf zeigen, bevor er zum Freispringen geschickt wurde. Ich zeigte ihm zuerst den Weg durch die Stangen auf das erste Hindernis, machte ihn wieder los und schickte ihn vorwärts. Etwas unsicher sprang Guardian die ersten drei Kreuze und der Prüfer gab ihm eine zweite Runde, ehe der letzte Sprung zu einem Oxer und der mittlere Sprung zu einer Geraden umgebaut wurden. Guardian sprang souverän, ließ sich wie zu Hause durch eine Handbewegung zum Stehen bringen, während die Sprünge erhöht wurden und schaute bei den beiden Prüfern vorbei, ob sie nicht vielleicht doch ein Leckerli parat hatten.

Pferd beim Freispringen.
Guardian liebt Springen abgöttisch und begeisterte mit seiner tollen Sprungkraft.

Damit hatte er die Herzen aller natürlich sofort erobert und wir konnten Aufatmen. Beide Jungs hatten sich im ersten Teil der Prüfung wacker geschlagen. Während auch einige Stuten an der Hand vorgestellt wurden, jedoch nur eine einzige unter dem Sattel, mussten alle drei Hengste – denn außer uns war nur ein einziger weiterer Hengst auf die Halbinsel gereist – unter dem Sattel gezeigt werden. Bei Stuten wird meistens auf eine Vorstellung unter dem Sattel verzichtet. Bei Hengsten hingegen ist es Pflicht, sie in der Dressur vorzustellen. Ob man sie auch beim Springen vorstellen möchte, darf man selbst entscheiden. Da Reggie das Springen abgöttisch liebt, durfte er auch unter dem Sattel seine Sprungkraft beweisen, Guardian, der mit dem Reiter noch zu unsicher war, blieb dies erspart. Er konnte sein wahres Talent in der kleinen Dressurprüfung beweisen.

Rückreise: mit den Hengsten auf die Fähre

Viel zu schnell war alles wieder vorbei und ich hatte vor lauter Pferde vorbereiten, letzte Feinschliffe an Mähne, Schweif und Sattel keinen einzigen Ritt mitbekommen.
Umso überraschter war ich, als Anne mir sagte, dass ich die Trense wieder an Guardian anlegen sollte um zu der Siegerehrung zu kommen. Reggie wurde Sieger der kleinen Körung und Guardian trat an Platz drei. Die ganzen Strapazen der letzten Tage und Wochen hatten sich also gelohnt. Überglücklich konnten wir uns auf den Rückweg nach Hause machen.
Während Anne eine frühere Fähre nahm, um am nächsten Morgen Termine wahrnehmen zu können, stieg ich in die Fähre um acht Uhr abends – zusammen mit den Pferden in dem LKW. Es sollte zwei Uhr nachts werden, bis wir endlich am Stall ankamen. Ich fiel gegen halb drei Uhr morgens wie tot ins Bett, sehr glücklich die erste Körung gut überstanden zu haben. Ich war stolz auf die beiden Hengste, die ihren Job wirklich gut gemacht hatten.

Experten von Loesdau

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Die meisten Loesdau Mitarbeiter sind entweder selbst Pferdebesitzer oder Reiter, zumindest aber Pferdeliebhaber. Sie reiten Dressur oder Western, sind Springreiter oder Züchter, Pferdefotograf oder -physiotherapeut, Trainer oder Reitlehrer. Sie sammeln ständig Eindrücke in allen Belangen rund um ihre Vierbeiner und bilden sich auf ihrem Spezialgebiet ständig fort. Außerdem machen die Kolleginnen und Kollegen permanent neue, interessante Erfahrungen, treffen wiederum Spezialisten und wissen in Sachen Pferd definitiv Bescheid. So ist jeder auf seinem Gebiet ein echter Experte und immer up-to-date. Aktuell bedeutendes Wissen erhalten sie in Seminaren, Kursen oder Lehrgängen.
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