Klassische Handarbeit Teil 5: Spanischer Schritt

In der klassischen Ausbildung werden die Lektionen nicht zum Selbstzweck ausgeführt, sondern dienen der Kräftigung und Gesunderhaltung des Pferdes. Julia erklärt euch, wie sie den Spanischen Schritt mit Corday erarbeitet hat.

„Besonders der Spanische Schritt wird oft zu Unrecht als Zirkuslektion betitelt. In der klassischen Ausbildung hat er einen festen Platz, denn er ist genau wie die Seitengänge oder die Piaffe eine sinnvolle Gymnastizierung. Er ist zum einen eine hervorragende Gymnastik für die Schulter, denn er macht diese frei und locker. Zum anderen hilft er den Pferden, die Beine zu koordinieren. Dadurch, dass der Spanische Schritt eine schwunglose Bewegung ist, fällt es den Pferden besonders schwer, beispielsweise das rechte Vorderbein zu heben und strecken und gleichzeitig das linke Hinterbein anheben und nach vorne zu treten. Dies verlangt von den Pferden besondere Körperbeherrschung sowie eine gute Balance.

Der Spanische Schritt gymnastiziert die Pferde

Corday hat sehr lange gebraucht bis er sicher den Spanischen Schritt beherrschte. Mittlerweile ist es aber seine Lieblingsübung, die er immer sehr willig und eifrig ausführt. Wie ich Corday den Spanischen Schritt beigebracht habe werde ich euch nun erklären. Zu Beginn stelle ich Corday auf den Hufschlag und nutze zur Begrenzung die Bande. Ich stehe dabei in Grundposition nehme den inneren Zügel mit einer Hand und in der anderen Hand habe ich eine normale Reitgerte (ca. 120 cm). Corday soll gerade stehen und sein Gewicht bestmöglich auf allen vier Beinen verteilt tragen. Mit der Gerte beginne ich nun das innere Vorderbein zu touchieren. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sinnvoller ist den Touchierpunkt so hoch wie möglich am Bein anzusetzen, damit ihr den Touchierpunkt später vom Sattel aus erreichen könnt. Dies ist aber nicht zwingend notwendig, wenn die Pferde auf Höhe der Fessel oder am Röhrbein prompt ihr Bein heben. In diesem Fall nehme ich das an und lobe überschwänglich.

Wählt den Touchierpunkt möglichst hoch, damit ihr ihn später vom Sattel aus erreichen könnt.

Erst anheben, dann strecken

Die Pferde müssen nicht gleich ihre Beine strecken, zunächst genügt ein bloßes Anheben. Wichtig ist nur, dass ihr immer die gleiche Stelle nehmt, damit ihr die Pferde nicht durcheinanderbringt, falls ihr noch weitere Übungen wie das Kompliment beibringen wollt. Um das Pferdebein zum Strecken zu bekommen, touchiere ich während das Bein gehoben ist in der Beuge des angewinkelten Karpalgelenks. Beim kleinsten Versuch des Pferdes, das Bein zu strecken, lobe ich wieder überschwänglich. Wenn das sicher mit dem inneren Vorderbein funktioniert, geht es an die Erarbeitung des äußeren Vorderbeins. Die Vorgehensweise ist dieselbe. Die Schwierigkeit liegt nur darin, dass ihr nicht so gut an das äußere Bein herankommt. Touchiert das äußere Bein am besten von vorne und nicht von unterm Bauch aus. Schnell werden die Pferde verstanden haben, was sie zu tun haben.

Wenn die Pferde auf Touchieren das jeweilige Bein nach vorne strecken, habt ihr den ersten Meilenstein in Richtung des Spanischen Schritts geschafft.

In diesem Stadium ist es besonders wichtig, dass die Pferde nur auf Touchieren ihr Bein heben. Schnell können sie nämlich übereifrig werden und ständig das Bein heben. Das ignoriere ich aber strikt und lobe keinesfalls.

Als nächstes: Bein nach vorne absetzen

Im nächsten Schritt sollen die Pferde lernen, das Bein nicht nur anzuheben und zu strecken, sondern das jeweilige Bein nach vorne abzusetzen. Dies erreiche ich, indem ich in dem Moment, in dem das Pferd das Bein streckt, das Pferd veranlasse, anzugehen. Wenn auch das sicher klappt, könnt ihr beginnen, das Beinstrecken aus dem versammelten Schritt abzufragen. Dazu touchiert ihr das jeweilige Vorderbein rechtzeitig, vor dem Abfußen, also in dem Moment, in dem es hinten ist. So bekommt ihr den ersten Schritt aus der Bewegung. Mit der Zeit müssen die Pferde lernen, im Gehen, ohne stocken, die Vorderbeine hoch- und vorzustrecken. Wenn ihr es geschafft habt, dass die Pferde auf leises Deuten der Gerte das gewünschte Vorderbein strecken, könnt ihr beginnen, rechts und links zu kombinieren. Einen Rhythmus, den ihr erarbeiten könnt, wäre:

Gehen, gehen, strecken rechts, gehen, gehen, strecken links, gehen, gehen, strecken rechts, …

Dieser beschriebene Rhythmus ist der sogenannte Polkaschritt, dieser verlangt von den Pferden ein hohes Maß an Konzentration und Koordination. Erst wenn die Polka sicher sitzt, könnt ihr beginnen, das Strecken der Vorderbeine abwechselnd zu verlangen. Damit wäre der Spanische Schritt erarbeitet.

Bis die Pferde sicher den Spanischen Schritt ausüben können, dauert es einige Zeit. Wichtig ist deshalb, dass ihr nicht zu ehrgeizig seid und den Pferden die Zeit gebt, um diese Übung zu erlernen.

 

Christine

Christine

Meine Leidenschaften Schreiben und Pferde bekomme ich bei Loesdau perfekt unter einen Hut. Seit November 2011 sind Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, interne und externe Kommunikation sowie die Sozialen Medien meine beruflichen „Spielfelder“.
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Über Christine

Erfahrung/Motivation: Nach einer sehr langen Reitpause begann ich im April 2012 wieder zu reiten. Eine schöne Schwarzwälder Fuchs Stute namens Jeany freute sich genauso wie ich über unsere langen und erholsamen Ausritte durch den Wald. Das Besondere an unserer Verbindung ist und bleibt, dass Jeany es schaffte, mich sehr schnell wieder komplett für Pferde zu begeistern. Zwar gelingt es mir momentan aus beruflichen und familiären Gründen nur ein bis zweimal in der Woche bei den Vierbeinern, die mir so viel geben, zu sein, den Stall zu machen und zu reiten. Aber diese Auszeiten müssen sein! Jeanys Stallgenossen sind wunderschöne Tersker, von denen ich momentan Nadja reiten darf. Wir sind ein relativ neues Team und gewöhnen uns noch im Dressurviereck und im Gelände aneinander – allerdings mit allerbesten Fortschritten!

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