Mein erstes, eigenes Fohlen

Debbi erzählt: „Wie aus der ersten Pferdeliebe ein ganz neuer Weg entstand und mein erstes, eigenes Fohlen“

Debbi begleitet unsere Community seit Langem mit ihrer authentischen Leidenschaft für Pferde. Ihre besondere Geschichte zum Thema „Die erste Pferdeliebe – mein erstes eigenes Fohlen aus meinem Traumpferd“ möchten wir dir nicht vorenthalten. Sie hat uns selbst sehr berührt – ja, fast sogar beseelt. Aber lies einfach selbst:

Als Haydee in mein Leben kam

Ich habe meine Stute Haydee im Sommer 2016 kennengelernt, als wir auf der Suche nach einem Nachwuchspferd für mich waren. Ich wollte damals vom Pony auf ein Großpferd umsteigen und mich auch im Springsport weiterentwickeln – Richtung Klasse L.

Irgendwann sind wir auf eine Internetanzeige gestoßen und tatsächlich ein ganzes Stück gefahren, um sie anzuschauen. Ich weiß noch genau, wie wir angekommen sind und sie auf der Stallgasse stand. Sie war damals sechs Jahre alt und einfach unglaublich süß. Ehrlich gesagt habe ich mich in diesem Moment schon ein bisschen verliebt.

Haydee und Debbi in ihrem Element – beim Springen auf einem Turnier!

Beim Probereiten hat sich direkt gezeigt, dass sie ganz anders war als mein Pony zuvor. Während mein Pony eher ruhig war und immer auf mich aufgepasst hat, hatte Haydee richtig Feuer. Sie war motiviert, hatte Go und wollte arbeiten – besonders im Parcours. Das war erstmal eine Umstellung für mich, aber genau das hat sie auch so besonders gemacht.

Ich habe mich dann mit viel Arbeit in sie hineingefuchst, und wir sind als Team zusammengewachsen. Spätestens in unserer Turniersaison 2017 wusste ich ganz sicher: Das ist mein Herzenspferd. Sie hat in jeder Prüfung für mich gekämpft, und wir waren fast das ganze Jahr über in A- und L-Springen platziert. Das war ein unbeschreibliches Gefühl.

Ein neuer Plan: Warum wir uns für ein Fohlen entschieden haben

Nach unserer gemeinsamen Turnierzeit kam irgendwann ein Punkt, an dem sich alles verändert hat – leider aus einem eher traurigen Grund.

Unsere Turnierpläne wurden ziemlich plötzlich durchkreuzt, weil bei Haydee eine Halswirbel- und eine Kniegelenksentzündung festgestellt wurde. Das Gemeine daran war, dass du es lange gar nicht richtig gemerkt hast. Sie war schon immer ein Pferd, das sehr hart im Nehmen ist und sich Schmerzen kaum anmerken ließ. Sie war nie wirklich lahm, aber irgendwann hast du gespürt, dass etwas nicht stimmt.

Vor allem beim Springen hat sie ihre Einstellung verändert, ist stehen geblieben und hat deutlich gezeigt, dass es für sie so nicht mehr geht.

Wir sind dann in die Klinik gefahren, wo die Diagnose bestätigt wurde. Natürlich haben wir alles behandeln lassen und ihr ganz viel Zeit gegeben, um sich zu erholen. Aber auch danach haben wir leider nicht mehr richtig zurück in den Sport gefunden.

Bis heute kann ich nicht genau sagen, ob es körperlich einfach nicht mehr ging oder ob es auch im Kopf geblieben ist – wahrscheinlich war es eine Mischung aus beidem. Für mich stand relativ schnell fest, dass ich sie nicht weiter im Turniersport sehen möchte, wenn sie mir so deutlich zeigt, dass es ihr damit nicht gut geht.

Haydee musste aus dem Turniersport genommen werden – keine leichte Entscheidung – aber eine eindeutige!

Das war keine leichte Entscheidung, und ehrlich gesagt macht es mich auch heute noch manchmal traurig.

Gleichzeitig war aber klar: Haydee ist ein Pferd, das eine Aufgabe braucht. Sie hatte immer eine tolle Einstellung, viel Vermögen am Sprung und bringt einfach alles mit – vom Exterieur bis zum Interieur. Deshalb haben wir uns beraten lassen und sind schließlich zu dem Entschluss gekommen, ein Fohlen aus ihr zu ziehen. Sie war zu diesem Zeitpunkt neun Jahre alt und eine super geeignete Zuchtstute.

Da wir in der Vergangenheit schon etwas Erfahrung mit der Zucht gesammelt hatten, hatte ich keine großen Zweifel an diesem Schritt. Im Gegenteil: Ich habe mich total darauf gefreut, ein Fohlen von ihr zu bekommen, und war einfach gespannt auf alles, was kommt.

Eine Bilderbuch-Trächtigkeit – bis plötzlich alles anders kam

Die Trächtigkeit von Haydee war tatsächlich total unkompliziert – entspannter hätte ich es mir kaum wünschen können. Ich konnte sie sogar noch relativ lange reiten.

Ihr errechneter Geburtstermin war der 3. Juli 2020, und bis etwa April bin ich sie noch ganz normal geritten. Sie war immer noch genauso, wie ich sie kannte: motiviert, voller Energie und mit richtig viel Freude bei der Arbeit.

Auch in den letzten Wochen der Trächtigkeit hat sie sich kein bisschen verändert. Sie wirkte fit, hatte Lust auf Bewegung und machte einen super Eindruck. Deshalb waren wir innerlich noch gar nicht richtig in Alarmbereitschaft, als es langsam Richtung Geburt ging.

Mitte Juni haben wir zwar angefangen, uns ein wenig vorzubereiten, aber ehrlich gesagt: Es gab noch keinerlei typische Anzeichen. Kaum Euter, kein abgesenkter Beckenboden – eigentlich nichts, was darauf hingedeutet hätte, dass es jeden Moment losgehen könnte.

Und dann kam alles ganz anders.

Am 17. Juni – also gut zweieinhalb Wochen vor dem errechneten Termin – habe ich morgens eine Nachricht auf mein Handy bekommen:

„Debbi, dein Fohlen ist da.“

Im ersten Moment dachte ich wirklich, das ist ein Scherz. Aber es war keiner.

Als wir im Stall ankamen, lag das Fohlen einfach schon in der Box – unsere kleine, völlig unerwartete Überraschung. Haydee stand ganz entspannt daneben, das Fohlen war fit, alles war ruhig. Keine Komplikationen, kein Stress – genau so, wie du es dir nur wünschen kannst.

Natürlich hätte ich den Moment der Geburt unglaublich gerne selbst miterlebt. Aber im Nachhinein bin ich einfach dankbar, dass alles so reibungslos abgelaufen ist. Gerade bei einer Geburt kann schließlich auch viel schiefgehen.

Und irgendwie war das auch typisch Haydee. Sie war schon immer eine, die ihr eigenes Ding macht und gerne selbst entscheidet, wie etwas läuft. Und genau so hat sie es auch hier gemacht: ganz unaufgeregt, ganz selbstbestimmt – und plötzlich war das Fohlen da.

Der erste Moment mit meinem Fohlen Contigo

Nach der Nachricht bin ich natürlich sofort in den Stall gefahren. Und als ich angekommen bin, lag da schon der kleine Mann in der Box.

Es war ein Hengstfohlen – genau so, wie ich es mir insgeheim gewünscht hatte. Er war unglaublich süß, ein richtiger kleiner Hänfling, vielleicht auch ein bisschen, weil er etwas früher als erwartet gekommen ist. Aber genau das hat ihn irgendwie noch besonderer gemacht. Ich war in diesem Moment einfach nur erleichtert und glücklich. Glücklich, dass das Fohlen da war, dass alles gut gegangen ist und vor allem, dass es Haydee gut ging. Sie stand da, sah zufrieden und fit aus – und das war eigentlich das Schönste an allem.

Es war insgesamt ein ganz besonderes Gefühl. Wir hatten zwar in der Vergangenheit schon Fohlen gezogen, aber das hier war etwas anderes. Es war das erste Fohlen aus meiner eigenen Stute, und ich habe die ganze Entwicklung von Anfang an mitbekommen – von der Entscheidung über die Trächtigkeit bis hin zu diesem Moment. Genau deshalb war das ein Augenblick, den ich nie vergessen werde.

Fohlen-Kindheit auf der Wiese: Warum die Aufzucht so wichtig ist

Nach der Geburt haben wir das Fohlen erstmal ganz in Ruhe ankommen lassen. Mir war wichtig, dass er die ersten Tage und Wochen in seinem Tempo die Welt kennenlernen kann. Ich habe viel Zeit bei ihm in der Box und auf der Weide verbracht und ihn einfach beobachtet. Wenn er von sich aus Kontakt gesucht hat, war das schön – aber ich wollte ihm vor allem Sicherheit und Ruhe geben.

Nach ein paar Wochen ist er dann auf die Wiese zu einer Freundin von mir gezogen, die selbst eine Stute mit Fohlen hatte. Das war mir besonders wichtig, weil ich finde, dass Fohlen unbedingt mit einem gleichaltrigen Spielpartner aufwachsen sollten. Das ist für ihre Entwicklung unglaublich wertvoll.

So konnte er direkt von Anfang an mit einem anderen Fohlen zusammen sein und später auch als Jährling, Zweijähriger und darüber hinaus gemeinsam aufwachsen. Dieses soziale Lernen, das Spielen und das Miteinander sind für mich ein ganz entscheidender Teil der Aufzucht. Für mich war das ein sehr wichtiger Punkt. Ich finde, jeder, der züchtet, sollte versuchen, solche Bedingungen zu ermöglichen – wenn es irgendwie geht. Genau das war mir bei ihm eine echte Herzensangelegenheit.

Vom ersten eigenen Fohlen zum Reitpferd

Mit der Ausbildung von Contigo haben wir im Winter, als er von drei auf vier Jahre alt wurde, richtig begonnen. Schon im Winter davor haben wir ihn aber spielerisch an vieles herangeführt.

Er durfte alles in Ruhe kennenlernen: erste kleine Longeneinheiten, den Sattel auf dem Rücken und generell alles ganz locker und ohne Druck – einfach damit er merkt, dass nichts davon schlimm ist.

Contigo war dabei von Anfang an ein sehr zutrauliches und menschenbezogenes Pferd. Er hat es geliebt, etwas mit dir zu machen, und hatte Freude an der Zusammenarbeit. Auch seine ersten kleinen Sprünge beim Freispringen haben wir in dieser Zeit schon gesehen.

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich das erste Mal auf ihm saß. Das war komplett spontan: Ich hatte ihn in der Halle laufen lassen, meine Mutter kam dazu, und irgendwann meinte ich einfach, sie solle ihm mal einen Strick dran machen.

Contigo war nur mit Halfter unterwegs – ohne Sattel, ohne alles. Dann hat meine Mutter mich tatsächlich einfach auf ihn draufgeschoben, und ich saß auf seinem Rücken. Und er stand da, als wäre das völlig selbstverständlich. Ganz ruhig, ganz entspannt.

Genau diese Gelassenheit hat ihn von Anfang an ausgezeichnet.

Insgesamt war die Ausbildung mit ihm für mich wirklich ein echtes Zuckerschlecken. Er war mein erstes selbst ausgebildetes Pferd und hat es mir unglaublich leicht gemacht. Er hat nie groß hinterfragt, sondern wollte immer lernen und gefallen. Dazu kam, dass er sehr gut auf Stimme reagiert hat, was vieles zusätzlich erleichtert hat.

Rückschläge, Geduld und Zusammenhalt

Trotzdem gab es auch Rückschläge. Contigo hatte in seinen jungen Jahren einige gesundheitliche Baustellen.

Contigo bei seinem allerersten Turnier!

Unter anderem musste er mit zwei Jahren aufgrund eines Abszesses am Auge operiert werden. Richtig einschneidend war aber eine Phase mit vier Jahren, als er gerade sein erstes Turnier – eine Eignung – sehr brav absolviert hatte und ein paar Wochen später plötzlich lahm ging.

In der Klinik wurde ein Riss am Knochen im Bereich des Fesselträgers festgestellt, was eine dreimonatige Boxenruhe bedeutete. Für ein junges, energiegeladenes Pferd war das natürlich extrem schwer. Auch das anschließende Wiederantrainieren war eine Herausforderung, weil er viel Energie hatte und du ihn langsam wieder aufbauen musstest. Es gab Momente, die nicht ungefährlich waren.

Trotz allem hat mir sein Charakter geholfen, diese Zeit durchzustehen. Ich wusste immer, dass er eigentlich ein Pferd ist, das gefallen will und nichts Böses im Sinn hat. Diese Überzeugung hat vieles leichter gemacht. Am Ende gehören genau solche Phasen für mich zur Jungpferdeausbildung dazu: Rückschläge, Geduld und das gemeinsame Wiederfinden des richtigen Weges.

Heute: Endlich ein echtes Team

Als richtiges Team würde ich uns tatsächlich erst seit etwa einem halben Jahr beschreiben – also ungefähr seit er fünf- bis sechsjährig ist. Nach der langen Verletzungspause hat es Zeit gebraucht, bis wir wieder richtig zueinandergefunden haben und ich mich auch selbst wieder komplett auf ihn einlassen konnte. Er war für mich insgesamt eine große Umstellung. Er ist deutlich größer als meine Stute Haydee und auch größer als mein anderes Pferd. Dazu kommt, dass er sich vom Reitgefühl her einfach anders anfühlt.

„Wir sind zu einem tollen Team zusammengewachsen.“

Gerade am Anfang war das nicht immer leicht für mich, mich wirklich darauf einzulassen und ihn so anzunehmen, wie er ist. Aber genau das habe ich ihm bewusst nochmal gegeben: Zeit und eine echte Chance. Und heute bin ich einfach froh darüber. Denn er ist so ein unglaublich lieber, menschenbezogener und neugieriger Kerl. Er hat Freude an der Arbeit und macht einfach gerne mit. Und jedes Mal, wenn ich darüber nachdenke, dass dieser kleine Drops vor sechs Jahren auf die Welt gekommen ist und ich ihn jetzt auf Turnieren reite, ist das etwas ganz Besonderes.

Mein Rat an alle, die mit dem Gedanken der Zucht spielen

Grundsätzlich würde ich sagen: Ja, ich würde es anderen empfehlen, ein Fohlen zu ziehen – aber nur, wenn du dir wirklich bewusst bist, worauf du dich einlässt. Für mich ist es ein unglaublich schöner Weg, weil du das Pferd von Anfang an begleitest, jede Phase miterlebst und eine ganz andere, sehr tiefe Verbindung aufbauen kannst. Du wächst einfach zusammen – vom Fohlen bis zum Reitpferd – und das ist etwas ganz Besonderes.

Gleichzeitig solltest du nicht unterschätzen, dass es auch viel Verantwortung, Geduld und Zeit bedeutet. Es läuft nicht immer alles geradeaus, und gerade gesundheitliche Rückschläge oder lange Ausbildungsphasen gehören dazu. Du musst bereit sein, flexibel zu bleiben und auch Umwege anzunehmen.

Mein wichtigster Tipp wäre deshalb: Lass dich gut beraten, schaffe ein gutes Umfeld für die Aufzucht und sieh das Pferd immer als Individuum – nicht als Projekt, das nach einem festen Plan funktionieren muss. Jedes Pferd entwickelt sich anders. Und genau darauf solltest du eingehen.

Dreamteam ❤️ Contigo & Debbi: „Er ist mein erstes, eigens Fohlen und dazu noch aus meinem Traumpferd gezogen. Wir sind unzertrennlich. Schmusen gehört zu unserer Lieblingsbeschäftigung.“

Was am Ende bleibt

Wenn ich unsere Geschichte in einem Satz zusammenfassen müsste, würde ich sagen:

Was als sportlicher Weg mit Haydee beginnen sollte, wurde neu geschrieben und hat uns über die Zucht zu Contigo geführt – wofür ich heute sehr dankbar bin.

Und wenn ich ihm etwas sagen könnte, würde ich wahrscheinlich einfach sagen:

Danke. Für alles, was du bist, für deine lustige Art, für deine Zuverlässigkeit und dafür, dass ich den Weg mit dir gehen kann – vom ersten Tag an bis heute.

Christine

Über Christine

Erfahrung/Motivation: Nach einer sehr langen Reitpause begann ich im April 2012 wieder zu reiten. Eine schöne Schwarzwälder Fuchs Stute namens Jeany freute sich genauso wie ich über unsere langen und erholsamen Ausritte durch den Wald. Das Besondere an unserer Verbindung ist und bleibt, dass Jeany es schaffte, mich sehr schnell wieder komplett für Pferde zu begeistern. Zwar gelingt es mir momentan aus beruflichen und familiären Gründen nur ein bis zweimal in der Woche bei den Vierbeinern, die mir so viel geben, zu sein, den Stall zu machen und zu reiten. Aber diese Auszeiten müssen sein! Jeanys Stallgenossen sind wunderschöne Tersker, von denen ich momentan Nadja reiten darf. Wir sind ein relativ neues Team und gewöhnen uns noch im Dressurviereck und im Gelände aneinander – allerdings mit allerbesten Fortschritten!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Ja, ich bin damit einverstanden, dass meine eingegebenen Daten für die Bearbeitung und Anzeige meines Kommentars verarbeitet werden. Die E-Mail-Adresse wird im Blog nicht angezeigt. Diese Einwilligung kann von mir jederzeit widerrufen werden.